Vorhautverengung - Phimose

Phimose - Vorhautverengung (Säugling und Kleinkind)

Medizinische Therapie und alternative Behandlung

Was ist eine Phimose?

Med. Definitionen:

Phimose (gr. phimosis Knebelung) engl. phimosis
Verengung der Penisvorhaut (bis zum 3. Lj. physiol. infolge Verklebung zw. Glans und Preputium penis, die sich bis zur Pubertät vollständig löst);
Urs.: angeb. oder erworben, z. B. durch Entz. (Balanitis, Lichen sclerosus et atrophicus), auch als sek. Narbenphimose inf. verfrühter Retraktionsversuche im Kleinkindalter;
Formen: 1. vollständige Ph.: die Vorhaut lässt sich bei erschlafftem Penis nicht über die Glans zurückziehen. 2. unvollständige Ph.: Zurückziehen der Vorhaut ist schwierig u. nur bei Erektion möglich.
Komplikationen: Paraphimose*, Balanoposthitis; fördernder Faktor bei der Entstehung des Peniskarzinoms;
Therapie: Zirkumzision*; vgl. Plastic-bell-Methode.

Paraphimose engl. paraphimosis;
sog. Spanischer Kragen; Einklemmung der zu engen phimotischen Vorhaut des Penis hinter dem Eichelkranz mit ödematöser Schwellung u. Durchblutungsstörung, die zu Nekrose der Glans penis und Vorhautgangrän mit deformierender Narbenschrumpfung führen kann; […]

Zirkumzision (lat. circimcidere beschneiden) engl. circumcision
sog. Beschneidung des Mannes; op. zirkuläre Entfernung beider Vorhautblätter des Penis, z.B. durch Resektion mit Gomco-Klemme oder mit Plastic-bell-Methode;
Ind.: nach der Pubertät persistierende Phimose, Z. als Routinemaßnahme zur (zweifelhaften) Proph. von Penis- u. Zervikalkarzinom ist v.a. in den USA stark umstritten.

Plastic-bell-Methode (engl. Plastikglocke)
op. Beseitigung einer Phimose, bei der in Kurznarkose eine Plastikglocke unter der gespreizten Vorhaut über die Glans penis geschoben wird; die Vorhaut wird anschließend am Glockenring abgebunden, nekrotisiert u. fällt ab; ambulante Durchführung v.a. im Kleinkindesalter. […]

Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 259. Auflage



Viele Eltern von kleinen Jungen wissen es schon lange:

Eine Vorhautverengung / Vorhautverklebung beim Säugling und (Klein-)kind ist normal.

Keinesfalls sollte versucht werden, die empfindliche Vorhaut zurückzuschieben.

Auch das grössere Kind sollte man mit solchen Maßnahmen verschonen. Manipulationen an dieser empfindlichen Körperstelle können zu Verletzungen und Entzündungen führen, die die Vorhautverengung wiederum verschlimmern können und ansonsten überfüssige, invasive Maßnahmen oder operative Behandlungen nach sich ziehen. Sorgfältige Hygiene (regelmässiges Waschen und gründliches Abspülen von Seifenresten) verhindert Entzündungen.

Der natürliche Ablösungsprozess der Vorhaut von der Eichel kann bis zu 17 Jahren dauern - also bis zum Abschluss der Pubertät - ohne irgendwelche Probleme zu verursachen. Die Vorhaut hat eine Funktion und ist kein überflüssiger Hautlappen.

Die Vorhaut ist reich an Nerven, die in dieser speziellen Empfindsamkeit nur an wenigen Stellen des menschlichen Körpers zu finden sind. Ihre besondere Struktur ist vergleichbar mit den Lippen oder der Vulva (äussere weibliche Geschlechtsteile). Die Vorhaut hat damit zweifellos eine wichtige Bedeutung für das Sexualleben. Sie zu entfernen bedeutet, den Betroffenen wertvoller Empfindungen zu berauben.

[…] …this is specialized skin and mucous membrane, it's built very much like the lips, or the vulva in the female. It's a junction between skin and the inner lining. It contains highly specialized nerve endings, which are only found in a few places in the body, and we only find this sort of tissue in areas where it has to perform specialized function, and this specialized function has to do with sex. This is sexual tissue, and there's no way you can avoid the issue. Most people look at the child and the prepuce, and say that, well, the prepuce isn't much use for a child. Well the prepuce isn't designed for a child, it's designed for an adult and you can't look at it in childish terms. […]
Dr. John R. Taylor, Anatomic Pathologist and coauthor of
"The prepuce: specialized mucosa of the penis and its loss to circumcision"

 

Schon Mitte des letzten Jahrhunderts haben Wissenschaftler aus UK in Studien darauf hingewiesen, dass die Beschneidung der Vorhaut oft überflüssig ist und sich nachteilig auswirken kann. Diese Publikationen führten dazu, dass dort die Beschneidung (Zirkumzision) als Behandlungsmethode der kindlichen Phimose von den Krankenkassen nicht mehr bezahlt wurde und die Zahl der durchgeführten Eingriffe erheblich sank.

Es ist ratsam, sich gründlich zu informieren, bevor man als Eltern eines kleinen Jungen vorschnell einem solchen Eingriff zustimmt oder ihn aus religiösen/rituellen Gründen in Erwägung zieht. Insbesondere ein Eingriff ohne Betäubung ist überhaupt nicht akzeptabel, Schmerzen werden von Babys ebenso schlimm empfunden wie von älteren Kindern oder Erwachsenen.

Schweden hat vor einigen Jahren die Beschneidung bei Säuglingen ohne medizinischen Grund und ohne Betäubung generell verboten. In Finnland darf eine Beschneidung aus religiösen oder rituellen Gründen nur noch mit Zustimmung beider Elternteile erfolgen, ältere Kinder müssen dazu gehört werden. In vielen anderen Ländern (wie Südafrika, Kanada, Neuseeland und Australien) ist die Zahl der Eingriffe extrem rückläufig.

In den USA werden immer noch viele neugeborene und ältere Jungen beschnitten (> 50%, etwa 1,5 Millionen, Tendenz rückläufig), oft ohne Einverständnis der Eltern und ohne Betäubung. Die Gründe (Vermeidung von späteren Erkrankungen, Infektionsgefahr durch mangelnde Hygiene) sind heute nicht mehr haltbar.

Es kann davon ausgegangen werden, dass viele an kleinen Jungen durchgeführte Beschneidungen unnötig sind (waren). Eine Vorhautverengung, die keine gesundheitlichen Probleme verursacht, ist bei Kindern nicht behandlungsbedürftig.

Im Namen der kleinen Unschuldigen vom schwachen Geschlecht:

Schluss mit unnötigen Beschneidungen !

Nicht-therapeutische Beschneidung ist Verstümmelung !

Ohne absolut medizinischen Grund handelt es sich dabei um den unrechtmässigen Eingriff an den Genitalien von Minderjährigen. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit und insbesondere die Rechte von Kindern werden hierbei mißachtet.

Die immer noch übliche und von manchen Medizinern gerechtfertigte Methode, den Eingriff ohne Betäubung durchzuführen, ist absolut unmenschlich und kommt einer Menschenrechtsverletzung gleich. Der Eingriff dauert etwa 5-10 Minuten - eine lange Zeit, wenn man Schmerzen an empfindlicher Stelle aushalten muss!

Nicht-therapeutische Beschneidung beim Säugling:
Video einer Beschneidung beim Säugling
http://www.intact.ca/video.html

Wann ist eine Behandlung notwendig?

Darüber entscheiden die Eltern nach ausführlicher Untersuchung und Beratung zusammen mit dem behandelnden Kinderarzt, Kinderurologen oder Urologen. Eine Behandlung in Form von Beschneidung kann notwendig werden, wenn andauernde Beinträchtigung durch ständig wiederkehrende lokale Entzündungen mit Narbenbildung, Probleme beim Wasserlassen (durch Aufblähen der Vorhaut) oder aufsteigende Infektionen der Harnwege besteht.


Aus den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft f. Urologie
zum Thema Phimose (2002)


[…] "Die Therapie der kindlichen Vorhautverengung besteht in der plastischen oder nach Wunsch der Eltern in der radikalen Zirkumzision nach Abschluß des 2. Lebensjahres. Liegen neben der Vorhautverengung zusätzliche Befunde wie rezidivierende Balanoposthitiden, rezidivierende Harnwegsinfekte oder eine Aufballonierung der Vorhaut bei der Miktion vor, erfolgt die plastische Zirkumzision unabhängig vom Alter des Kindes umgehend.
Das plastische Operationsverfahren hat zum Ziel, bei optischem Erhalt der Vorhaut eine Erweiterung der Vorhautzirkumferenz und eine vollständige Retrahierbarkeit der Vorhaut zu erreichen. Gleichzeitig werden Adhäsionen gelöst und ein assoziiertes Frenulum breve durch Frenulotomie mit Ligatur der Arteria frenularis korrigiert. Eine routinemäßige Zirkumzision mit dem Ziel der Peniskarzinomprophylaxe ist nicht indiziert. Kontraindikationen zur Operation sind lokale Infektion und kongenitale Anomalien des Penis, vor allem die Hypospadie, da die Vorhaut zur plastischen Korrektur verwendet werden kann." […]


Wie kann eine alternative Behandlung aussehen?

Homöopathische Behandlung:

Wir zitieren an dieser Stelle aus dem Erfahrungsbericht einer Mutter:

[…] "In fast allen Fällen lösen sich aber auch Verklebungen spätestens in der Pubertät und Urologen sind sehr gierig auf's Beschneiden, klar, bringt ja auch Geld. Deshalb finde ich es wichtig, beide Seiten zu beleuchten.
Unseren Sohn wollten wir mit 4 Jahren trotz Phimose nicht beschneiden lassen, weil ein Drittel der empfindlichen Penishaut dabei verloren geht. Wir sind dann auf den Homöopathen Ravi Roy gestoßen, der schreibt, daß man mit Sulfur C200 Globulis jede Phimose ausheilen könnte.
Wir gaben dies unserem Sohn eine Zeitlang jeden Tag, obwohl der Urologe sagte, dass es aussichtslos sei und hier nur eine Beschneidung helfen kann. Nach 4 Wochen war es extrem besser, nach 3 Monaten fast weg, nach 6 Monaten völlig normal. Nach jetzt 8 Monaten gibt es keinerlei Probleme mehr die Vorhaut zurückzuziehen." […] C. Müller-Mettnau, 2002


Von anderen Müttern ist uns ebenfalls bekannt, dass bei ihren Söhnen die vollständige Lösung der Vorhaut häufig erst in der Pubertät abgeschlossen war, ohne jemals Probleme verursacht zu haben oder medizinische Eingriffe notwendig werden zu lassen. Mit homöopathischer Behandlung sind oftmals gute Erfolge erzielt und dadurch Operation vermieden worden.

Silvia Skolik, 2002



Kinder mit Homöopathie behandeln
Carola Roy, Ravi Roy
Droemer-Knauer, ISBN: 3426761300

Hier steht zu lesen:

"Jungen werden manchmal mit einer Phimose (Verengung der Vorhaut) geboren. Ersparen Sie dem Kind die Beschneidung und das damit verbundene emotionale Trauma, indem Sie ihm Sulfur oder ein anderes passendes homöopathisches Mittel geben, welches die Phimose sanft und schnell beseitigt."


Weitere Informationen und Links:

[…]
Die Vorhaut ist ein kleiner beweglicher Hautlappen, der die Eichel des Penis umschließt. Entgegen dem bisherigen Glauben, dass durch die Beschneidung männlicher Kinder der Peniskrebs, der Gebärmutterkrebs (wegen der besseren Hygiene beim Verkehr), Harnleiterinfekten u.a. verringert werden, hat sich gezeigt, dass die Beschneidung praktisch keine positiven medizinischen Folgen besitzt. Schon gar nicht in den hygienisch entwickelten Industrieländern und Schwellenländern. Im Gegenteil: vor allem im höherem Alter, wenn die Vorhaut gut entwickelt und durchblutet ist, sind eine Reihe negativer Folgen wie Entzündungen nicht selten. Es sei erwähnt, dass in den USA jeder derartige Eingriff dem Operateur ca. 100-200 Dollar an Gebühren bringt. Eine nicht unbeträchtliche zusätzliche Einnahmequelle. Bei einer Phimose, einer krankhaften Verengung der Vorhaut, ist es jedoch oft angesagt, diese operativ entfernen zu lassen, obwohl es auch konservative Therapien, z.B. mit Hormonen, gibt.


Rechtliche Aspekte
Bei der Frage, ob eine Beschneidung von Kindern oder Jugendlichen rechtlich erlaubt ist, muss differenziert werden: Als erstes ist zu klären, ob der Betroffene selber wirksam in den Eingriff einwilligen kann. Das ist dann der Fall, wenn er fähig ist, die Tragweite und Bedeutung der Zirkumzision zu erfassen und seinen Willen nach dieser Erkenntnis auszurichten. In der Regel wird die Einsichtsfähigkeit erst nach Vollendung des 16. Lebensjahres vorliegen. Eine feste Grenze gibt es jedoch nicht - die Frage ist einzelfallabhängig (oft wird als Grenze auch erst die Vollendung des 18. Lebensjahres genannt).

Ist die Einsichtsfähigkeit zu bejahen, dann kann der Betroffene selber wirksam in den Eingriff einwilligen. In diesen Fällen ist es egal, ob der Eingriff medizinisch notwendig ist (etwa bei einer Phimose) oder ob er aus ästhetischen, hygienischen oder religiösen Gründen vorgenommen werden soll.

Liegt die Einsichtsfähigkeit hingegen nicht vor, kann der Betroffene selber nicht wirksam einwilligen. Die Einwilligung kann aber von den Personensorgeberechtigten (etwa den Eltern) erklärt werden. Hier sind wiederum zwei Konstellationen zu unterscheiden: Die Einwilligung ist wirksam, wenn der Eingriff medizinisch notwendig ist (etwa bei einer Phimose). In solchen Fällen begeht der Operateur zwar eine Körperverletzung, sein Handeln ist wegen der wirksamen Einwilligung aber nicht rechtswidrig, also straflos.

Anders liegt der Fall bei Beschneidungen, die ohne medizinische Notwendigkeit vorgenommen werden (etwa aus ästhetischen, hygienischen, rituellen oder religiösen Gründen). Dann ist eine Einwilligung der Personensorgeberechtigten stets unwirksam, weil solche Eingriffe in die körperliche Integrität nicht dem "Wohl des Kindes" entsprechen. Ein Operateur, der an einem minderjährigen und nicht einsichtsfähigen Jungen eine medizinisch nicht notwendige Zirkumzision vornimmt, macht sich strafbar, jedenfalls wegen (einfacher) Körperverletzung nach § 223 Absatz 1 des Strafgesetzbuchs (in der Regel dürfte sogar eine gefährliche Körperverletzung nach § 224 des Strafgesetzbuchs vorliegen). Auch die Eltern machen sich in solchen Fällen strafbar, nämlich wegen Beteiligung an der Körperverletzung.

Quelle:
Holm Putzke: Die strafrechtliche Relevanz der Beschneidung von Knaben. Zugleich ein Beitrag über die Grenzen der Einwilligung in Fällen der Personensorge, in: H. Putzke u.a. (Hrsg.), Strafrecht zwischen System und Telos, Festschrift für Rolf Dietrich Herzberg, Mohr Siebeck: Tübingen 2008, S. 669-709

Holm Putzke: Juristische Positionen zur religiösen Beschneidung, in: Neue Juristische Wochenschrift (NJW) 2008, S. 1568-1570

Holm Putzke: Rechtliche Grenzen der Zirkumzision bei Minderjährigen. Zur Frage der Strafbarkeit des Operateurs nach § 223 des Strafgesetzbuches, in: Medizinrecht (MedR) 2008, S. 268-272

 

 

Links:

Beschneidung (männlicher Säugling), Artikel

Die Geschichte der Beschneidung

Iris e.V. Fachbereich Jungen und Männer
http://www.iris-egris.de/jungen/

Video einer Beschneidung beim Neugeborenen
http://www.intact.ca/video.html

Intact - to end non-therapeutic male infant circumcision
http://www.intact.ca/

Circumcision and Information Resource Page
http://www.cirp.org/

Mothers against Circumcision
http://www.mothersagainstcirc.org/

Birth Psychology - Circumcision of baby boys
http://www.birthpsychology.com/birthscene/circ.html

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