Wochenbett

Das Wochenbett

Das Wochenbett fängt nach der Geburt an und dauert 6 bis 8 Wochen. Solange braucht der Körper der Frau, um sich nach den Anstrengungen von Schwangerschaft und Geburt zu erholen und wieder in den Normalzustand zurückzubilden. Mindestens ebensolange braucht die Seele, um sich auf die neue Lebenssituation einzustellen.

Die Zeit des Wochenbettes ist eine Zeit der Erholung und Neuorientierung für die junge Familie.

Eine alte Hebammenregel sagt, dass es ebenso wieder 9 Monate braucht, bis eine Frau nach einer Schwangerschaft ihren ursprünglichen körperlichen und seelischen Zustand wiedergefunden hat. Das Mutterschutzgesetz stellt sicher, dass Frauen im Wochenbett (8 Wochen nach der Geburt) keiner Berufstätigkeit nachgehen müssen, anschliessend schaffen Elternzeit-Regelung und Erziehungsgeld vielen jungen Eltern zusätzliche Erleichterungen.

Unsere zum Teil sehr hektische Lebensweise widmet diesem Zeitabschnitt wenig Aufmerksamkeit. Vielen ist der Begriff Wochenbett gar nicht bekannt. Irrtümlicherweise glauben viele Menschen, dass mit der Entlassung aus der Klinik nach einer Geburt der Normalzustand wieder hergestellt ist. Das ist nicht der Fall. Die Medien gaukeln uns zudem vor, dass die junge Mutter topgestylt und schlanker denn je nach 3 Tagen aus dem Krankenhaus kommt und in der Lage ist, mühelos in die Mutterrolle zu schlüpfen. Vergessen Sie diesen Unsinn! Gönnen Sie sich Ruhe.

Als Mutter (und natürlich auch als Vater) hat man plötzlich eine Menge Verantwortung und - zumindest beim ersten Kind - keinerlei Erfahrungen. Die heutigen Lebensformen haben es mit sich gebracht, dass viele junge Mütter/Elternpaare völlig auf sich alleine gestellt sind. Selten springt eine frischgebackene Grossmutter oder Freundin ein, nicht alle jungen Väter können Urlaub nehmen.

Im Wochenbett machen Frauen und Männer völlig neue Erfahrungen im Umgang miteinander. Die Umstellung auf das Leben mit einem kompromisslos fordernden Neugeborenen ist eine körperliche und psychische Herausforderung. Sie bedarf in erster Linie einer ruhigen und abgeschirmten Lebensweise. Die erste Zeit nach der Geburt empfinden die meisten jungen Mütter - bedingt durch die Verarbeitung des Geburtserlebnisses, hormonelle Einflüsse, das (ungewohnte und neu zu erlernende) Stillen und die veränderte Lebenssituation - als besonders anstrengend und ungewöhnlich emotionsgeladen. Das gilt auch für die Väter.

Die Beziehung zwischen den jungen Eltern wird auf die Probe gestellt und erfordert gegenseitige Geduld, Verständnis und viel Zeit füreinander. Es ist notwendig, die Partnerschaft als Elternpaar neu zu definieren. Ruhe und Zeit füreinander sind die Grundbedingungen. Geniessen Sie die Zeit des Wochenbettes und freunden Sie sich ohne Störungen von aussen mit der neuen Elternrolle an. So lernen Sie am schnellsten, auf die individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes einzugehen ohne dass Ihre eigenen dabei zu kurz kommen. Damit legen Sie einen wichtigen Grundstein für ein zufriedenes Familienleben und eine harmonische Eltern-Kind-Beziehung.

Das Wochenbett als 'Auszeit' für einen guten Start ins Familienleben.

Häufig stellen junge Mütter viel zu hohe Erwartungen an sich selbst. Sie wollen sich und der Umwelt beweisen, dass sie alles 'gut im Griff' haben. Dabei kommt es oft zu einer nicht gewollten Überbeanspruchung. Das Leben mit einem Neugeborenen unterliegt völlig anderen Kriterien als das Single-Dasein. Schlafmangel, körperliche und hormonelle Umstellung, Unsicherheiten im Umgang mit dem kleinen Menschen, Stillen, ununterbrochene Verantwortung und die Umstellung vieler Lebensgewohnheiten machen die Zeit des Wochenbettes zu einer anstrengenden und intensiven Zeit. Verlangen Sie nicht zu viel von sich selbst! Besonders in dieser Zeit ist Perfektionismus nicht angebracht.

Ruhe ist oberstes Gebot für eine seelische Balance.

Wenn irgend möglich, sollten Sie die Zeit nach der Geburt nicht von vornherein verplanen. Lassen Sie den Dingen ihren Lauf, leben Sie von Tag zu Tag. Setzen Sie sich keine grossen Ziele und lehnen Sie zusätzliche Aufgaben und Verpflichtungen ab. Nehmen Sie sich Zeit füreinander. Lassen Sie vor allem 'fünfe grade sein'. Ein top-gepflegter Haushalt mit einer erschöpften Mutter, einem schreienden Kind und einem gestressten Vater ist nicht erstrebenswert. Psychische und körperliche Überlastung im Wochenbett kann zu dauerhafter körperlicher Beeinträchtigung oder Erkrankung (Wochenbettdepression) führen, Partnerschaften können zerbrechen.

Nehmen Sie Hilfe in Anspruch und lehnen Sie alle unnötigen Aufgaben ab.

Frauen haben Anspruch auf (von den Krankenkassen bezahlte) Betreuung durch eine Hebamme in der gesamten Zeit des Wochenbettes und bei Bedarf darüber hinaus in der Stillzeit, unabhängig davon, ob sie in der Klinik, im Geburtshaus oder zuhause entbunden haben. Machen Sie davon Gebrauch. Sollten Sie sich vor der Geburt nicht mit einer Hebamme in Verbindung gesetzt haben, können Sie das jederzeit tun. Die Kliniken vermitteln häufig nachbetreuende Hebammen, ebenso wie die Hebammenzentralen. Viele Frauenärzte/-innen arbeiten eng mit Hebammen zusammen.

Die Hebamme wird bei der Betreuung im Wochenbett die notwendigen Untersuchungen durchführen, Ihnen alle Fragen rund ums Elternsein beantworten, sich um Ihr und das Wohlbefinden des Kindes kümmern, Anleitungen und Hinweise geben und Ihnen eine verständnisvolle Gesprächspartnerin sein.

Geniessen Sie die Ruhe im Wochenbett und schöpfen Sie daraus Kraft für sich und Ihre Familie.


Kurse nach der Geburt werden von Hebammenpraxen, Geburtshäusern, Kliniken und Einrichtungen der Familienbildung angeboten, z.B.:

Rückbildungskurse - Beckenbodentraining - Yoga
PEKiP und Babymassage
Babyschwimmen
Stillttreff - Stillgruppe
Säuglingstragekurse
Elterngruppen
Müttertreffs und Krabbelgruppen

Hier haben Sie neben den individuellen Angeboten die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen.

Mehr Informationen finden Sie hier:

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