Delphine als Geburtshelfer?

Delphine als ‘Geburtshelfer’

Mensch und Delphin – Frauen und Delphine – Delphine und Kinder

 

Warum träumen wir Menschen davon, mit Delphinen zu schwimmen?

 

Was ist so faszinierend an diesen Lebewesen?

 

Delphine gelten als intelligent, freundlich, sanftmütig, verspielt und gesellig. Aus der Nähe betrachtet sehen sie aus, als würden sie lächeln. Manche behaupten, sie seien nach den Menschen die intelligentesten Lebewesen auf der Welt. Fest steht, dass Delphine sehr kommunikativ und lernfähig sind.

Im antiken Griechenland wurden Delphine als heilige, magische und spirituelle Wesen verehrt. Es geht die Sage, dass am Eingang zum Orakel von Delphi (gr. Gebärmutter) ein Delphin wachte. Die Stadt Delphis soll nach ihnen benannt worden sein. Die Ureinwohner Australiens und Südamerikas sollen den Delphin in ähnlicher Weise geehrt haben.

Ihre Entwicklungsgeschichte begann vor etwa 60 Millionen Jahren, sehr viel früher als die des Menschen. Es wird vermutet, dass der Delphin von einem Hund abstammt, dem Urhund Mesonyx. Enge Verwandtschaft besteht auch zu den Flusspferden. Im Laufe der Evolution hat der Delphin seine Lebensweise, sein Aussehen und seine Körperfunktionen vollkommen dem Wasser angepasst. Delphine leben im offenen Meer, in küstennahen Meeresgewässern oder in Flüssen.

Delphine sind Säugetiere, sie gehören in die Gruppe der Wale. Sie gebären lebende Junge und ernähren sie mit Muttermilch. Delphine sind etwa 12 Monate schwanger, ihre Jungen werden immer mit dem Schwanz zuerst geboren. Obwohl zu den Säugetieren gehörend, kann der Delphin nicht saugen, seine Lippen sind nicht beweglich. Muttermilch wird dem Baby-Delphin in den Mund gespritzt. Die Stillzeit dauert bei Delphinen bis zu 3 Jahren.

Da sie keine Kiemen haben, müssen sie zum Atmen auftauchen. Delphine atmen nur 5 mal in der Minute, der Mensch etwa 3 mal so viel. Sie können bis zu 500 Meter tief tauchen und halten beim Tauchen den Atem an. Delphine können geschmacklich süss, sauer, bitter und salzig unterscheiden. Sie können nicht riechen. Sie trinken nicht, sondern nehmen Flüssigkeit nur über die Nahrung auf.

Walfamilien, zu denen auch die Delphine gehören, leben häufig im Matriarchat. Die Familien bestehen aus mehreren weiblichen Tieren mit ihren Jungen beiderlei Geschlechts. Die Männchen haben meist nur während der Paarungszeit ‘Zutritt’, ansonsten schliessen sie sich zu Gruppen ausserhalb der Mutter-Kind-Einheiten zusammen.

Delphine können sich über grosse Strecken hinweg unterhalten. Sie setzen diese Fähigkeit zur Partnersuche, als Hilferuf oder allgemein zur Verständigung ein. Forscher sprechen sogar von einer eigenen Delphin-Sprache. Man sagt den Delphinen untereinander ein ausgeprägtes Sozialverhalten nach. Diese Freundlichkeit färbt wohl auf den Menschen ab und macht diese Tiere für uns neben ihrem niedlichen Aussehen so anziehend und liebenswert.

Ebenso wie Delphine ihre eigenen schwangeren Artgenossinnen betreuen und ‘Geburtshilfe’ durch Schutz und Zuwendung leisten, spüren sie auch, wenn Menschenfrauen kurz vor der Geburt stehen. Sie halten sich dann in der Nähe auf und vermitteln das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Das ist kein Märchen. In Meeresforschungsstationen weltweit werden wissenschaftliche Beobachtungen und Untersuchungen über Geburten mit Delphinen ausgewertet. Dolphin Human Research Center gibt es u.a. in Europa, Israel, Florida, in der Karibik, Japan und am Schwarzen Meer.

Der Russe Igor Charkovsky hat bei seiner Arbeit mit gebärenden Frauen und Neugeborenen beobachtet, dass Delphine eine seelische Verbundenheit zum Ungeborenen haben und dadurch spüren, wenn Frauen ‘unter der Geburt’ sind. Nach der Geburt kam es vor, dass Delphine das Neugeborene liebevoll und vorsichtig an die Wasseroberfläche schubsten, damit es den ersten Atemzug machen kann. Ein Wunder?

Für Naturvölker, die am Meer zuhause sind, war und ist es sicher völlig normal, dass Frauen in Gegenwart und im Schutz der Delphine ihre Babies im warmem Wasser gebären. Im Wissen um die positiven Kräfte dieser Tiere vertrauen sich die Gebärenden instinktiv den Delphinen an. Es ist sehr gut nachzuempfinden, dass diese Tiere durch ihre ruhige und besänftigende Ausstrahlung für eine wohltuende Entspannung im Geburtsverlauf sorgen und nach der Geburt ihre positive Energie auf Mutter und Kind übertragen können. Natürliche Harmonie.

Aber nicht nur für gesunde Menschen sind Delphine eine Freude. In der Behandlung von kranken oder traumatisierten Kindern und Erwachsenen sind in den letzten Jahren ganz erstaunliche Beobachtungen gemacht worden. Kleine und grosse Menschen können nach einer Therapie mit Delphinen wieder Emotionen zeigen. Sie bauen Ängste ab und finden zu neuem Selbstvertrauen, sie können wieder lachen und machen deutliche Fortschritte in ihrer Gesundung. Die einfühlsamen Tiere finden offenbar einen Weg zu den verletzten Seelen. Die ‘dolphin assisted therapy’ (DAT) findet mehr und mehr Verbreitung und Anerkennung weltweit. Hoffnung auf Heilung.

Für die meisten von uns wird der Traum vom Schwimmen mit Delphinen allerdings ein Traum bleiben. Geben wir uns ruhig unseren Phantasien hin. Der Gedanke an Delphine, die fröhlich, frei und unbeschwert im warmen Wasser spielen, hat geradezu paradiesische Züge.

Delphine sind ein ganz besonderes, einzigartiges Geschenk der Natur und verdienen unseren Respekt. In der heilenden Zusammenarbeit mit Menschen sind Delphine von unschätzbarem Wert. Dieses Wissen darf jedoch nicht dazu führen, dass der Mensch sich diese Tiere zunutze macht, sie ihrer Freiheit beraubt und in engen Delphinarien für seine Zwecke missbraucht. Die Zusammenarbeit kann nur freiwillig – in Freiheit – geschehen.

Unnötiger, unüberlegter und unverantwortlicher Umgang bei der ‘Nutzbarmachung’ von seiten des Menschen hat diese ganz besondere Spezies in den letzten Jahren leider auch in grosse Gefahr gebracht. Viel zu schade. 

Silvia Skolik, 2001

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