EPH-Gestose, Eklampsie, HELLP-Syndrom - SIH

Stoffwechselstörung in der Schwangerschaft

EPH-Gestose - Prä-Eklampsie - Eklampsie
HELLP-Syndrom
SIH = Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie


Der Volksmund redet von einer Schwangerschaftsvergiftung (-toxikose), wenn von diesem Erkrankungskomplex die Rede ist. Oft verwirrende Bezeichnungen und Klassifizierungen in der Vergangenheit haben zu der neuen Definition SIH = Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck) geführt, eingeteilt in unterschiedliche Schweregrade. Man spricht auch von "Stoffwechselstörung in der Spätschwangerschaft". Bekannter ist der Begriff Gestose, auch späte Gestose genannt, weil die Erkrankungszeichen (Symptome) meist erst im letzten Drittel der Schwangerschaft auftreten.

Es handelt sich hierbei um eine Erkrankung mit unterschiedlicher Ausprägung, die nur in der Schwangerschaft auftritt und deren Hauptmerkmale

  • hoher Blutdruck (Hypertonus), Grenzwert 140/90 mmHg,
  • Eiweissauscheidung im Urin (Proteinurie) und
  • Wassereinlagerungen (Ödeme) im Gewebe sind.


Weitere Symptome und deutliche Warnsignale
(die aus heiterem Himmel und auch ohne die bereits erwähnten Symptome auftreten können):

  • Oberbauchbeschwerden (Schmerzen, Brechreiz)
  • starke Kopfschmerzen
  • Sehstörungen (z.B. Flimmern vor den Augen)
  • allgemeine Unruhe
  • gesteigerte Reflexe
  • Benommenheit
  • Bewusstseinsstörungen


Bei diesen Anzeichen muss notfallmässig unmittelbare stationäre Behandlung erfolgen (Gefahr von Eklampsie, HELLP-Syndrom).

Etwa 6 - 8% aller schwangeren Frauen sind von einer Prä-Eklampsie betroffen, 1% entwickelt ein HELLP-Syndrom, 0,1% eine Eklampsie. Dieser Erkrankungskomplex gehört mit ca. 20% zu den häufigsten Komplikationen in der Schwangerschaft und ist einer der häufigsten Ursachen für Frühgeburten sowie die Säuglings- und Müttersterblichkeit.

!! Die schwere Gestose / Prä-Eklampsie bedarf immer einer intensiven klinischen Überwachung und Behandlung.
Die psychologische Betreuung ist dabei ein besonders wichtiger Bestandteil.


Ursachen:

Bis heute nicht genau bekannt, es gibt zahlreiche Theorien. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen lassen die Vermutung zu, dass es sich um ein genetisch bedingtes Krankheitsbild handeln könnte. Ebenso werden immunologische und thrombophile Ursachen in Erwägung gezogen.
Die richtige Ernährung spielt eine ganz wesentliche Rolle bei der Vorbeugung.


Risikogruppen/-faktoren:

  • [Junge und späte Erstgebärende]
  • Schwangere mit SIH/Eklampsie in der (Familien-)Vorgeschichte
  • Schwangere mit Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen (s. Pfropfgestose)
  • Schwangere mit Mehrlingsschwangerschaft
  • Schwangere mit anderen bestehenden Erkrankungen
    (z.B. Lupus, vor der SS bestehender Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen, fetale Mißbildungen u.a.)
  • Übermässige Gewichtszunahme
  • Mangelernährung / Falschernährung




Auswirkungen:

  • intrauterine Wachstumsretardierung
    (Wachstumsstörung des Ungeborenen durch Mangelversorgung)
  • Plazentainsuffizienz
    (Funktionsstörung des Mutterkuchens)
  • Gefahr der vorzeitigen Plazentalösung
  • Frühgeburtlichkeit !
  • Schwerste Form: Eklampsie und Hellp-Syndrom


Wiederholungsrisiko:

Generell gibt es bei Frauen, die bereits einmal an Prä-Eklampsie, Eklampsie oder HELLP-Syndrom erkrankt waren, eine Wiederholungs-Wahrscheinlichkeit:

Für Prä-Eklampsie - Eklampsie: 20 - 65%
(je nach Schweregrad und Zeitpunkt des Auftretens der Erkrankung in vorausgegangener Schwangerschaft, je früher und je schwerer > desto wahrscheinlicher)

Für HELLP-Syndrom: 3 - 24%
(abhängig vom Zeitpunkt des Auftretens der Erkrankung bei der vorhergehenden Schwangerschaft: je früher, desto wahrscheinlicher)


Früherkennung und Vorbeugung:

  • Gewissenhafte Schwangerschaftsbetreuung
    (Blutdruckmessung, Gewichtskontrolle, Urinuntersuchung, Blutuntersuchung, Beurteilung der Ödeme)
  • Fachkundige Ernährungsberatung am Beginn der Schwangerschaft !
  • Intensive Betreuung anhand der Risiko-Faktoren (-Gruppen)
  • Ausgewogene eiweissreiche Ernährung, ausreichend Kalorien, ausreichend Flüssigkeit!
    Keine salzarme Kost, wie früher fälschlicherweise geglaubt!
    Keine Reis-Obst-Tage (früher weit verbreitet!),
    Keine Reduzierung der Trinkmenge!
    Keine entwässernden Tees oder andere Entwässerungstherapien!
  • Stress-Vermeidung, Schonung und viel Ruhe!
  • Ggf. intensive Betreuung und Behandlung in der Klinik


Die jahrzehntelange Behandlung mit salz- und flüssigkeitsarmer Ernährung und sog. Reis-Obst-Tagen hat sich als Irrtum der Medizin erwiesen. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass gerade in der Schwangerschaft

eine ausreichende Flüssigkeitsmenge,
eine ausreichende Kalorienzufuhr und
eine Ernährung mit genügend Salz

notwendig ist.


Ich erinnere mich an einen erfahrenen Gynäkologen (Chefarzt einer grossen Frauenklinik in Süddeutschland), der bereits vor 20 Jahren die gefährdeten Frauen sehr erfolgreich behandelte, indem er ihnen Ruhe verordnet hat (oft durch stationäre Aufnahme, abgedunkelte Zimmer, kein Fernseher!) und ihnen täglich 3 Infusionen Kochsalzlösung verabreichen liess. Eine eiweissreiche und salzhaltige Kost in ausreichender Menge und täglich 2 Gläser Fruchtsaft ergänzten seine Therapie.
Die Erfolge sprachen schon damals für sich und obwohl viele KollegInnen seine Behandlungsweise (aufgrund der damals herrschenden Lehrmeinung) nicht guthießen, hat er sich doch nicht beirren lassen.

Silvia Skolik, 2001

Begriffe:

 

Gestose (späte)
schwangerschaftsbedingte Erkrankung nach der 24. SSW
(gestatio = Schwangerschaft)

EPH-Gestose
Schwangerschaftsspezifische Erkrankung mit den folgenden Symptomen (Krankheitszeichen):
Edema = Ödem (Wassereinlagerung im Gewebe)
Proteinurie = Eiweissausscheidung im Urin
Hypertonie = Bluthochdruck

Prä-Eklampsie
schwere Form der EPH-Gestose, Vor-(prä) stadium der Eklampsie,
gekennzeichnet durch die drei Symptome (EPH), Kopfschmerzen, Flimmern vor den Augen, Unruhe, gesteigerte Reflexe, Gefahr des eklamptischen Anfalls (Eklampsie).
Intensive medizinische Betreuung erforderlich!

Eklampsie
lebensbedrohliche Verschlimmerung der Prä-Eklampsie: Krampfanfälle (Zuckungen, Zittern, Verkrampfungen), dramatischer Blutdruckanstieg, starke Kopfschmerzen, Brechreiz, starke Unruhe, Sehstörungen, Bewusstseinsstörungen, Atemstillstand, Bewusstlosigkeit.
Intensiv-medizinische Behandlung!

HELLP-Syndrom (engl. Hemolysis Elevated Liver Enzymes Low Platelets)
seltene, aber lebensbedrohliche Variante der Prä-Eklampsie mit Gefäßverändrungen, Gerinnungsstörung, akuter Schwangerschaftsfettleber, Leberschädigung, Blutungsgefahr: starke Schmerzen im Oberbauch, hoher Blutdruck, Blutbildveränderungen, schwere Entzündungen (z.B. Leber, Magen, Nieren, Galle), Bewusstseinsstörungen. Mütterliche Sterberate bis zu 4%, kindliche bis zu 23%.
Intensiv-medizinische Behandlung!

Pfropfgestose
eine Gestose, die aufgrund einer bereits bestehenden Erkrankung der Mutter auftritt,
z.B. bei Diabetes, Nieren- oder Schilddrüsenerkrankungen.
Die Pfropfgestose kann auch vor der 24. SSW auftreten

SIH
Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (Erkrankungskomplex durch schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck, >135/85), eingeteilt nach Symptomen in 4 verschiedene Schweregrade:
1. Leichte hypertensive Erkrankung
2. schwere hypertensive Erkrankung
3. Drohende Eklampsie
3. Eklampsie

HES
Hypertensive Erkrankung in der Schwangerschaft (krankhafter Blutdruck-Anstieg in der SS)

Früh-Gestose
Anpassungsstörung an die Schwangerschaft in unterschiedlicher Auswirkung:
Morgentliche Übelkeit, Erbrechen in leichter Form,
(verschwindet meistens nach der 12. SSW, 30-60% aller Schwangeren sind betroffen).
Hyperemesis gravidarum > schwere Form von Übelkeit und Erbrechen, behandlungsbedürftig.
Selten bleiben diese Beschwerden über die 20. SSW hinaus bestehen.
Gründe: Psycho-soziale Faktoren, hormonelle Veränderungen, Stoffwechselstörungen, seelische Empfindsamkeit.

Quellen:
Mändle, Opitz-Kreuter, Wehling "Das Hebammenbuch"
Bennett, Brown "Myles Textbook for Midwives"
Pschyrembel "Klinisches Wörterbuch"
Dudenhausen, Pschyrembel "Praktische Geburtshilfe"
Arbeitsgemeinschaft Gestose-Frauen e.V.

Weiterführende Informationen:

 

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