Geburtshaus vs. Klinik

Geburtshaus versus Klinik - eine Alternative?

von Stefanie Barreto-Nunes 

Das Geburtshaus ist eine autonome Einrichtung, in der nach den rechtlichen Grundlagen des Hebammengesetzes Geburtshilfe von Hebammen praktiziert wird. 

Das Geburtshaus ist ein Ort, an dem schwangere Frauen und Paare selbstbestimmt, ganzheitlich und umfassend nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen betreut werden. Die Zeit der Betreuung durchzieht die Schwangerschaft, die Geburt und das Wochenbett bis zum Ende der Stillzeit. 

Die Frau soll gestärkt werden in ihrem Vertrauen zu sich selbst, der eigenen Gebärfähigkeit und ihrer Selbstbestimmung, die sie im Geburtshaus zum Ausdruck bringen kann. Im Geburtshaus soll durch diese Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit ein schönes Geburtserlebnis ermöglicht werden, ohne das invasive routinemäßige Eingreifen und die Einmischung fremder Personen. Die Menschen und Räume sind vertraut und bewahren so eine gewisse Intimität und liebevolle Atmosphäre, die jede Geburt in sich hat und braucht. 

Hebammen begleiten die Frauen und ihre Partner, bestärken diese und unterstützen bei der Geburt. Es besteht im Geburtshaus eine 1:1 Betreuung durch die Hebamme, was bedeutet, dass eine Hebamme sich um eine Frau kümmert. In der Klinik ist oft eine Hebamme für mehrere Gebärende gleichzeitig zuständig. 

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind natürliche Vorgänge im Leben einer Frau und müssen im Regelfall nur unterstützend begleitet werden - das ist das Motto der Geburtshäuser. Die Geburtshäuser sehen sich als Ergänzung und Alternative zur Geburtshilfe in der Klinik oder zuhause, nicht als Ersatz! Trotz aller Natürlichkeit braucht die Geburtshilfe oft die Geburtsmedizin der Frauenklinik. Und doch machte Ellis Huber (als Präsident der Berliner Ärztekammer) einst die Aussage, daß "Geburtshäuser - die Frühlingsboten einer neuen Medizin" sind.

Geburtshaus versus Klinik - immer häufiger wird heutzutage diese Frage von unterschiedlich eingestellten Geburthelfern und Laien diskutiert. Und immer mehr beschäftigt dieses Thema Frauen und Paare, die Eltern werden und sich für den Geburtsort ihres Kindes (Klinik, Geburtshaus oder Zuhause) entscheiden müssen.
Für viele werdende Eltern spielt meist nur die (angebliche) Sicherheit eine maßgebende Rolle. 

Bei den werdenden Eltern, die nicht in die Klinik möchten, gibt es andere ausschlaggebende Punkte neben dieser medizinischen Sicherheit:
Selbstbestimmung, Gebären bei einer vertrauten Hebamme in einer vertrauten Umgebung und in liebevoller Atmosphäre. 

Leider liegt auch heute noch (oder gerade heute?) die Unsicherheit vieler Paare in der Unwissenheit über die Kompetenz einer Hebamme und deren Aufgabenbereiche begründet. 

Viele Leute unterschiedlichster Altersgruppen befinden sich in dem Irrglauben, Geburtshilfe sei Ärztesache und der Arzt betreue sie unter der Geburt. Diese angeblich kontinuierliche Arztbetreuung und der Operationssaal, der in der Klinik oft nebenan liegt, wiegen sie in Sicherheit. 

Die Erkenntnis darüber, wie wichtig die Hebamme tatsächlich ist, kommt spätestens während der Geburt und in der Zeit danach im Wochenbett. Dann bleibt es oft Aufgabe der nachbetreuenden Hebamme, traumatisierte und traurige Frauen wieder aufzubauen, wenn diese immer wieder davon erzählen, daß das Personal im Kreißsaal unter Wehentätigkeit nicht genug Zeit für sie hatte, weil es noch einige andere Frauen gab, die unter der Geburt betreut werden mussten. 

Aufgrund dieser Problemstellung - die durch Personalmangel entsteht - darf und kann man den Geburtshelfern in der Klinik keinen Vorwurf machen, häufig sind einfach zu viele Frauen gleichzeitig zu betreuen und zu überwachen. 

Es stellt sich die Frage, ob Frauen, die einen normalen, unkomplizierten Schwangerschaftsverlauf hatten und im Geburtshaus oder Zuhause gebären, dadurch nicht die Kliniken entlasten und die Situation der Frauen, die aufgrund von Risikoschwangerschaften in die Klinik müssen, verbessern... 

Leider denken viele Frauen und Paare erst nach einer nicht so schönen Erfahrung darüber nach, was sie anders machen könnten als zur Geburt in die Klinik zu gehen - das liegt auch an der vor der ersten Geburt meist fehlenden eigenen Zuversicht des Gebären-Könnens. 

Im Gespräch mit diesen Paaren und auch mit Erstgebärenden und deren Partnern, die sich für eine Geburtshausgeburt interessieren, fallen oft Schlagwörter wie Selbstbestimmung, Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse, Vertrauen in die gut bekannte Hebamme ,-die oft den Stand einer Freundin hat-, Vertrauen in die eigene Person und Zutrauen in die Gebärfähigkeit, freie Wahl der Gebärposition, keine medikamentösen oder sonstigen invasiven, störenden Eingriffe wie z.B. Dammschnitt, vertraute Räume, die die besagte Intimität, die man zum Gebären braucht, wahren. 

Die Geburt im Geburtshaus gibt Frauen die Möglichkeit, mit der Unterstützung ihrer vertrauten Hebamme in einer vertrauten Umgebung und in liebevoller Atmosphäre ihr Kind aus eigener Kraft und nach ihren eigenen Vorstellungen zur Welt zu bringen. Direkt nach der Geburt ist genug Zeit , um sich als Familie in aller Ruhe kennen- und liebenzulernen. Es findet nicht die in vielen Kliniken immer noch übliche Trennung von Mutter, Kind und dem Vater statt, der dann alleine nach Hause muß.
Nach der Geburt im Geburtshaus verlässt das Paar mit dem Kind nach einigen Stunden gemeinsam das Geburtshaus und fährt heim. 

Ab diesem Zeitpunkt bekommt die Frau tägliche Hebammen-Besuche bis zum 10. Tag nach der Geburt und bei Bedarf auch länger. Die Frauen müssen keine Angst haben, weil sie dann zuhause alleine sind und nicht wie in der Klinik ein Säuglingszimmer haben, in dem man alles nachfragen kann. Die Nachbetreuung ist dann Aufgabe der Hebamme, die die Frau auch während der Geburt betreut hat und für sie ständig erreichbar ist. 

Ganz realistisch fragen sich viele Leser nun, was passiert denn, wenn unter der Geburt ein Notfall eintritt, oder die Frau die Schmerzen nicht mehr aushält?
Dazu muß man sagen, daß Frauen, die zur Geburt in ein Geburtshaus gehen, schon von vornherein eine sehr positive und selbstbewusste Einstellung zur Geburt haben.
Sie benötigen daher wenig oder gar keine Schmerzmittel. Die Hebammen bedienen sich aufgrund ihrer Erfahrung und Zusatz-Ausbildung der Homöopathie, der Bachblüten, der Reflexzonentherapie, der Akupunktur, Massagen und vielem mehr. Die Ergebnisse sind ähnlich, gleich gut oder sogar besser als bei herkömmlichen Schmerzmitteln oder anderen Medikamenten (z.B. der Wehentropf). 

Richtige Notfälle treten selten ein, weil Geburtshäuser die Frauen selektieren, das heißt, sie nehmen keine Frau mit Risikoschwangerschaft (z.B. bei Steißlage, Zwillingsschwangerschaft, präexistenten schweren Erkrankungen etc.) an. Im Falle eines plötzlich eintretenden Notfalles handelt die Hebamme entsprechend ihrer beruflichen Kompetenz schnell und umsichtig. Ein Transport in die nächstgelegene Klinik ist gewährleistet, oft kann die betreuende Hebamme "ihre" Schwangere begleiten. 

Das Auftreten schlechter Herztätigkeit beim Kind kommt im Geburtshaus seltener vor, weil weder starke Schmerzmedikamente gegeben werden, noch gibt man forciert Wehenmittel, oder lässt die Frau zu früh und zu stark mitpressen, wenn der Muttermund vollständig eröffnet ist. 

Durch die freie Wahl der Gebärposition und die fehlende Klinikangst (die wohl jeder von uns hat), wird der Teufelskreis Angst, Spannung, Schmerz durchbrochen. Dadurch gebären die Frauen schneller und die Geburt ist weniger anstrengend für Mutter und Kind. 

Sicherheit im Geburtshaus resultiert aus der Kraft der Frauen und der engen, guten und kompetenten Betreuung der Hebamme unter der Geburt. 

Der Stellenwert der geburtshilflichen Frauenklinik soll deshalb nicht geschmälert werden. Alle Geburtshelfer sollten wieder lernen, unter der Geburt die weibliche Intuition und Gebärfähigkeit zum Tragen kommen zu lassen und nicht zu viel in normal verlaufende Geburten einzugreifen. 

Frauen sollen sich durch diesen Bericht bestärkt fühlen, in ihren Bedürfnissen und Wünschen wahrgenommen werden zu wollen, egal ob sie in der Klinik, im Geburtshaus oder zuhause entbinden. 

Wenn es den Kliniken gelingt, den Frauen Geburten zu ermöglichen, bei denen sie sich in geeigneten Räumen auf sich selbst konzentrieren können und nicht eingeschränkt werden in ihrem Bewegungsdrang, ihrer Sehnsucht nach Ruhe und Intimität ohne Störungen, dann wird es keine Konkurrenz geben (müssen) zwischen Klinik und Geburtshaus. 

Für Frauen, die sich ihre Geburt so human wünschen, ist das Gebären im Geburtshaus eine Alternative zur Klinik.

Weiterführende Informationen:

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