Geburtsvorbereitungskonzept (AU)

Geburtsvorbereitung - wozu?

20 Jahre ganzheitliches Konzept in Österreich 

von Marion Read 

"Nichts ist persönlicher, als ein Kind zu bekommen! 
In dieser Zeit verändert sich viel für Frau und Mann. 
Wer könnte sie besser verstehen als Paare in dergleichen Situation 
oder Menschen, die aufgrund ihres eigenen Erlebens sich gut in sie 
hineinversetzen können."
 (Ines Albrecht-Engel)

 

Immer wieder höre oder lese ich davon, dass Frauen/Paare unsicher sind, ob sie einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen sollen, ob es überhaupt "etwas bringt, denn schließlich kämen schon seit Menschengedenken Babys zur Welt, und was andere geschafft haben, würden sie wohl auch schaffen". So gesehen ist ein Geburtsvorbereitungskurs wohl wirklich überflüssig, denn das Baby kommt schon "irgendwie" auf die Welt, notfalls per (Wunsch-)Kaiserschnitt. 

Wenn wir das Thema aber von einem anderen Blickwinkel aus angehen, ergeben sich folgende - zugegebenermaßen rein hypothetische - Fragen: Nehmen wir einmal an, Sie hätten die Chance, noch einmal geboren zu werden. Würden Sie wollen, dass Ihre Mutter, mit der Sie in direkter gefühlsmäßiger Verbindung stehen, selbstbewusst und positiv eingestellt, sich ihres Körpers und seiner Funktionen bewusst, mit Ihnen gemeinsam die Geburt erlebt? Daß sie Ihnen durch ihre aktive Mithilfe zwar nicht völlig die Schmerzen, aber dennoch den Weg nach draußen erleichtern kann und ihnen durch ihr Wissen um das Abenteuer Geburt die Zuversicht geben kann, dass alles gut wird, auch wenn die Geburt nicht nach Lehrbuch abläuft? Oder würden Sie sich lieber auf den Weg nach draußen machen, wenn Ihnen durch Angst, Spannung und Schmerzen Ihre Geburt erschwert wird? Ich finde, unsere Kinder haben den bestmöglichen Start ins Leben verdient. Und wie immer dieser aussieht, die Frauen sollen das beste daraus machen können. 

Zugegeben: nicht jede "unvorbereitete" Mutter erlebt eine traumatische Geburt. Es ist auch bei weitem nicht gesagt, dass jede "vorbereitete" Mutter eine traumhafte Geburt erlebt. Wenn ich aber weiß, was in meinem Körper vorgeht, was die Schmerzen verursacht und wozu sie da sind, was ich machen kann, um mir und meinem Kind die Schmerzen zu erleichtern, dann gehe ich schon ganz anders mit der Situation um. 

Sind alle Geburtsvorbereitungskurse gleich? 

Bevor Sie sich für einen Kurs anmelden, sollten Sie darüber nachdenken, was Sie sich von diesem erwarten. Erkundigen Sie sich über verschiedene Angebote, wägen Sie die Für und Wider ab, sprechen Sie mit Eltern, die bereits einen Kurs besucht haben oder hören Sie einfach auf Ihr "Bauchgefühl". Manche Kurse haben ihren Schwerpunkt in medizinischen Belangen, andere gehen mehr auf die psycho-sozialen Belange ein etc. Jede(r) ernstzunehmende Kursleiter(in) wird sich Zeit für Sie nehmen, um Ihnen Ihre Fragen zu beantworten. Denn - erstens kosten die meisten Kurse Geld und zweitens ärgern Sie sich, wenn Sie feststellen, dass der ausgewählte Kurs doch nicht Ihren Erwartungen und Bedürfnissen entsprochen hat. Da viele Frauen/Paare erst in der Spätschwangerschaft in Kurse gehen, ist es dann aber meist für den Besuch eines anderen zu spät. 

Was ist an unseren Kursen so besonders? 

Die bestens ausgebildeten ElternbildnerInnen, die ich vertrete, arbeiten mit den Frauen/Paaren individuell und teilnehmerInnenorientiert schwerpunktsmäßig auf psycho-sozialer Ebene mit starkem Gewicht auf Körperwahrnehmung. Es ist für die TeilnehmerInnen wichtig zu wissen, wie eine normale Geburt theoretisch abläuft, was passiert, wenn das Kind per Kaiserschnitt geboren werden muß. Sie sind auch froh, wenn sie eine Vorstellung davon haben, was danach mit ihnen und ihrem Kind passiert, wie der Krankenhausablauf sein wird, sie möchten die Geburtszimmer gesehen und verschiedene Hebammen kennengelernt haben, um sich nicht ganz so fremd zu fühlen, wenn ihr Kind geboren wird. 

Einer der wichtigsten Bereiche für die Geburt ist aber - aus meiner Sicht - den eigenen Körper und den Atem kennenzulernen, um ihn bei der Geburt gezielt einsetzen zu können. Dies geschieht durch Körperwahrnehmungs- und Atemwahrnehmungsübungen. Atmen in Verbindung mit Beckenbodenübungen und Wehensimulationsübungen geben den TeilnehmerInnen (auch Männer haben einen Beckenboden) ein Gefühl dafür, was Anspannung und Entspannung ist. 

Des weiteren ist es wichtig anzusprechen, was sich durch die Schwangerschaft, Geburt und das Leben mit einem Kind in der Paarbeziehung tut, was die Ankunft eines Kindes im sozialen Bereich (Freundeskreis, arbeits- und geldmäßig) verändert und wie sich die veränderte Situation auf die Frau, den Mann, auf die ganze Familie auswirken kann. Wie gehen sie mit ihrer neuen Rolle um, und wie finden alle Familienmitglieder wieder ihren Platz innerhalb der Familie? 

Stillen/Ernährung, Säuglingspflege und die kindliche Entwicklung sind weitere Bereiche, die in unseren Kursen angesprochen werden. 

Jede(r) TeilnehmerIn hat individuelle Bedürfnisse. Deshalb gestalten die Frauen/Paare die Kurse aktiv mit, indem sie die Themen, die sie besonders interessieren, ansprechen oder sich durch persönliche Erfahrungen in die Kurse einbringen. 

Was ist mit den Vätern? 

Der Großteil unserer Kurse ist auf Paare abgestimmt, d.h. die Partner sind ausdrücklich erwünscht und eingeladen, sich auch auf die Ankunft ihres Kindes vorzubereiten, da - gerade in unseren Kursen - es eben nicht nur darum geht, Informationen zum Geburtsablauf selbst weiterzugeben. Gerade beim Atmen während der Geburt kann z.B. der werdende Vater helfen zu verhindern, dass die Gebärende den Rhythmus verliert. Er kann sie durch Massagen während der Geburt unterstützen. Selbst durch das einfache "Dasein" trägt der Partner wesentlich zum Geburtsverlauf bei, wenn er weiß, welche psychologische Funktion er erfüllt, was er tun kann und was er vermeiden soll. Da die Frauen die Geburtsarbeit am besten bewältigen können, indem sie nicht ständig rational denken müssen (also Fragen beantworten, ihre Bedürfnisse verbal ausdrücken etc.) ist der Partner ihr "Sprachrohr" bei der Geburt. Dass er das sein kann, setzt aber wiederum voraus, daß er die Bedürfnisse seiner Partnerin kennt. Durch Wehensimulationsübungen im Kurs lernt er zu erkennen, wie seine Partnerin mit Stresssituationen umgeht und welche Unterstützung sie dabei von ihm möchte oder braucht. 

Auch nach der Geburt kommen dem Partner wichtige Aufgaben zu, auf die er sich vorbereiten sollte. 

Über uns 

Seit 20 Jahren bieten wir in Österreich ganzheitliche Geburtsvorbereitung an. Ganzheitlich heißt für uns, wie oben bereits erwähnt, neben der Information über Schwangerschaft und Geburt auch die damit zusammenhängenden grundlegenden Veränderungen in der Paarbeziehung, die Mutter-/Vaterrolle sowie die Veränderungen im sozialen Bereich näher zu beleuchten. Frauen und Paare müssen darauf vorbereitet sein, daß sich ihr Leben durch und mit einem Kind verändern wird. 

Unsere Ausbildung umfasst die Bereiche: Didaktik und Methodik, Gesprächsführung, Gruppenleitung und -begleitung, Körperarbeit und -wahrnehmung, Selbsterfahrung, Prozessbegleitung, Selbstreflexion und Supervision. Des weiteren besuchen wir ständig Fort- und Weiterbildungen durch kompetente Fachleute und haben eigene reflektierte Geburtserfahrung und Praxis als Mütter/Väter. 

Wir helfen Ihnen gerne, Ihren persönlichen Kurs zu finden, der Ihren Bedürfnissen entspricht. 

Auf unserer Webseite finden Sie weitere Informationen über uns, unsere Ziele und unser Angebot, sowie Kontaktadressen in den einzelnen Bundesländern und Ansprechpartnerinnen in Ihrer Nähe. Wir freuen uns über Ihren Anruf oder Ihre Kontaktaufnahme per e-mail.



DGE - Österreichischer Dachverband 
für Vorbereitung auf Geburt und Elternschaft 

Rosensteingasse 82, 1170 Wien 
Tel. 0316-394390 
e-mail: dge@webplace.at 
http://www.dge.webplace.at/



Die Autorin: 
Marion Read wurde 1970 in Leoben/Steiermark geboren. Sie ist verheiratet, Mutter von drei Töchtern, Sekretärin an der Montanuniversität Leoben und Referentin in der Elternbildung seit Juni 2002. Frau Read ist Mitbegründerin des Eltern-Kind-Zentrums Leoben, wo sie Kurse für Schwangere und junge Eltern leitet. Im DGE ist sie tätig als Schriftführerin-Stellvertreterin und Kontaktfrau für die Steiermark. 

April 2003

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