Hebammen - Am Anfang des Lebens

Hebammen - Am Anfang des Lebens und mitten im Leben 

Hebammen, Weise Frauen, Wehemütter, Heilerinnen, Hexen...

Zufrieden geboren 

Egal wie weit man zurück blickt in der Geschichte der Menschheit: 

Hebammen hat es immer gegeben und wird es immer geben, solange Menschen von Frauen geboren werden. 

Das Wissen der "Weisen Frauen" hat schon im Mittelalter zu Verunsicherung -besonders unter den Ärzten und Kirchenfürsten - geführt. Hebammen waren ganz besonders stark von der Hexenverfolgung betroffen. Viele sind auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, weil man ihrem Wissen und ihrer Kunst - aus Unwissenheit oder Machtgier - nicht traute oder Angst vor ihnen hatte. Hebammen galten damals als umfangreiche Heilerinnen und Frauen-"ärztinnen", die sich ihr Wissen durch Begabung, die Lehre von älteren Frauen und eigener praktischer Erfahrung erworben hatten. Die aktuelle und historische Literatur über die Hebammenkunst gibt einen Einblick in diesen traditionellen Frauenberuf. 

Politische Richtungen, sich wandelnde Gebärkulturen und der medizinische Fortschritt haben unseren Berufstand immer wieder bedroht und zu Veränderung und Einschränkung in der Hebammen-Geburtshilfe geführt. Über Jahrhunderte hatten Männer keinen Zugang zur Geburtshilfe, diese lag ausschliesslich in den Händen von Frauen - den "Weisen Frauen". 

Die Entwicklung der modernen Geburtsmedizin hat neben vielen positiven Errungenschaften leider auch zum Konkurrenzkampf zwischen Frauenärzten und Hebammen geführt. In vielen geburtshilflichen Abteilungen wird jedoch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit sehr erfolgreich praktiziert. Es bleibt zu wünschen, dass sich in Zukunft überall eine fruchtbare Kooperation aller beteiligten Fachleute im Interesse von Frauen, Kindern und Familien etabliert. 

Die gesundheitspolitische Entwicklung der letzten Jahre gibt auch Anlass zur Sorge: In vielen europäischen Ländern ist die Versorgung von Frauen, Kindern und Familien durch Hebammen und damit die Schwangerenversorgung generell in eine Krise geraten. Unwürdige Arbeitsbedingungen, unsinnige gesetzliche Restriktionen und Regulierungen, das Infragestellen oder Absprechen von Kompetenzen, die Reduzierung von Planstellen in Kliniken, unzureichende Ausbildungsbedingungen und die vergleichsweise schlechte Vergütung führen dazu, dass es zu wenig praktizierende Hebammen gibt und die geburtshilfliche Betreuung dadurch mancherorts zu wünschen übrig lässt. Die Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen und Kindern sind ernstzunehmen und bedürfen einschneidender Verbesserungen. 


Hebammen - Kompetenz in der Frauengesundheit 

Die WHO (World Health Organisation) bezeichnet Hebammen als die am besten befähigte Berufsgruppe zur Betreuung der normalen Schwangerschaft und Geburt. 

Hebammen verstehen Schwangerschaft und Geburt als natürliche Lebensvorgänge, die im Regelfall keine medizinische Überwachung oder Intervention erfordert. Sie betrachten schwangere Frauen nicht als Patientinnen, sondern sehen ihre Aufgabe in fachkundiger Begleitung und Unterstützung der werdenden Mutter und der jungen Familie. Als Fürsprecherinnen der Frauen unterstützen und verteidigen sie den Wunsch der Frauen nach selbstbestimmter Schwangerschaft und Geburt in Geborgenheit und Würde. 

Die ausschließlich medizinische Betrachtungsweise der normalen Schwangerschaft als einem "behandlungsbedürftigen" Zustand lehnen Hebammen ab. Den Errungenschaften der Reproduktionsmedizin mit ihren Auswirkungen auf Frauen stehen Hebammen kritisch gegenüber. Die routinemässig medizinisch kontrollierte Schwangerschaft und Geburt widerspricht dem Verständnis der Hebammen. Hebammen fordern ein Einhalten der Technisierung und Medikalisierung in der Fortpflanzungsmedizin und sprechen sich für eine strikte Handhabung der Präimplantationsdiagnostik aus. Hebammen verlangen, dass der Würde des Menschen Vorrang vor Forschungsinteressen eingeräumt wird. 

Hebammen sind in Deutschland und anderen europäschen Ländern den Ärzten gleichgestellt, wenn es um die Betreung von gesunden Schwangeren und ihren Babys geht. 

Hebammen machen Mut. 

Die Hebamme von heute ist eine qualifizierte, an einer Hebammenschule ausgebildete Fachkraft, die ihr Examen nach dreijähriger Ausbildung vor einer staatlichen Prüfungskommission ablegt. Ihre Berufsbezeichnung ist geschützt. Die Aufgabenbereiche der Hebamme sind vielseitig, sie erfordern ständige Weiterbildung. 

Überall arbeiten Hebammen im Einsatz für Mutter und Kind. 

Weltweit haben sich Hebammen in Organisationen, Initiativen und Arbeitsgruppen mit verschiedenen Schwerpunkten zusammengeschlossen. Sie entwickeln und verbessern die Standards für ihre Arbeit, forschen, setzen sich für das Recht der Frauen und Kinder auf sichere und humane Entbindung ein, kämpfen gegen Benachteiligung, Diskriminierung und Mißbrauch von Frauen, wirken Mißständen entgegen und kämpfen für verbesserte Bedingungen im Bereich der Frauen- und Familiengesundheit. Hebammen vertreten die Interessen ihres Berufsstandes in der Öffentlichkeit und arbeiten interdisziplinär mit Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens zusammen. 

Durch ihre Arbeit leisten Hebammen einen ganz erheblichen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge und -erhaltung. 

Hebammen arbeiten nach den Richtlinien des Hebammengesetzes als freie Hebammen, in der Hebammenpraxis, in Geburtshäusern, als Familienhebammen, in Gesundheitseinrichtungen, in Frauenkliniken oder als Partnerinnen in der Frauenarztpraxis. Von den angestellten Klinik-Hebammen arbeiten nicht wenige zusätzlich freiberuflich in der Geburtsvorbereitung und Wochenbettbetreuung. Viele Hebammen haben ergänzende Ausbildungen, u.a. in der (Kinder)Krankenpflege, als Unterrichts- oder Leitende Hebamme, in Stillberatung, Psychologie, Therapie, Pädagogik oder Naturheilkunde. 

Sicherheit für Mutter und Kind 

Sicherheit und Gesundheit von Mutter und Kind ist oberste Priorität in der Geburtshilfe und bei der Arbeit der Hebammen. Die Mütter- und Säuglingssterblichkeit in Europa ist im Vergleich zu den Entwicklungsländern extrem niedrig. Dafür sorgen zu einem nicht unerheblichen Teil die Hebammen. Die Zusammenarbeit mit FachärztInnen oder das Veranlassen ärztlicher Hilfeleistung bei auftretenden Komplikationen oder Erkrankungen ist im Interesse der Gesundheit von Mutter und Kind obligatorisch. 

Die Hebamme ist die Fachfrau für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. 


Die Arbeitsschwerpunkte der Hebammen sind vielschichtig und unterschiedlich, zu den wichtigsten zählen die folgenden Bereiche: 

Schwangeren-Vorsorge und Geburtsvorbereitung 

Hebammen betreuen in der Schwangerschaft und führen die notwendigen Mutterschaftsvorsorge-Untersuchungen anhand der gesetzlichen Richtlinien durch. Sie sind Ansprechpartnerinnen der werdenden Mütter/Eltern, beraten zu Fragen der Gesundheitsvorsorge und Lebensführung und helfen bei auftretenden Problemen. In verschiedenen Kursen bereiten sie gezielt auf die Geburt vor. In vielen geburtshilflichen Kliniken bieten Hebammen eine Hebammen-Sprechstunde an. Die kooperative Schwangeren-Vorsorge (bei Hebamme und Fachärztin/-arzt) ist kein Ausnahmefall mehr und hat sich in vielen Fällen bewährt. Hebammen benennen Beratungsstellen und stellen im Bedarfsfall Kontakte her. 


Hebammen leisten Geburtshilfe. 

Geburtshäuser waren vor zehn Jahren eher eine Seltenheit, heute ist ihre Zahl in Deutschland, Österreich und der Schweiz ständig steigend. Hier praktizieren Hebammen Geburtshilfe nach den Richtlinien des Hebammen-Gesetzes in eigenständigen Einrichtungen. Der Schwerpunkt der Geburtshilfe liegt hier auf einer ganzheitlichen frauen- und familienfreundlichen Begleitung in der Schwangerschaft, während der Geburt und der anschliessenden Wochenbettperiode. 

Hausgeburten als traditionelle Form der Entbindung sind in Deutschland eher die Ausnahme. Freie Hebammen leisten eigenverantwortlich Geburtshilfe im Zuhause der Gebärenden und versorgen Mutter und Kind im Wochenbett. Sie kennen die Gebärende aus der Zeit der Schwangerschaft und können durch den engen persönlichen Kontakt auf die ganz individuellen Wünsche der Frauen eingehen. 

Die ambulante Geburt war noch vor wenigen Jahren für viele geburtshilfliche Kliniken nur schwer vorstellbar, ist heute aber an der Tagesordnung. Hebammen leisten ambulante Geburtshilfe in der Klinik, die Mutter wird nach der Geburt mit dem Neugeborenen in die Obhut einer Hebamme entlassen. Die ambulante Geburt kann auch in Geburtshäusern und Praxen stattfinden. Als Alternative zur Hausgeburt und zum Klinikaufenthalt hat sich diese Lösung bewährt. 

Die Klinikgeburt ist nach dem 2. Weltkrieg immer mehr zum Regelfall geworden. Hier arbeiten Hebammen in den geburtshilflichen Abteilungen zusammen mit Ärzten und Pflegefachkräften in allen Bereichen der Geburtsmedizin. Die Klinikgeburt ist aus der modernen Geburtshilfe nicht wegzudenken. Nicht nur Risiko-Schwangere werden hier betreut und entbunden. Hebammen versorgen Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt und assistieren bei medizinisch notwendigen Eingriffen. In den letzten Jahren hat sich die Geburtshilfe in den Kliniken vielerorts verändert, den Bedürfnissen der Frauen wird mehr Rechnung getragen. Eine familienorientierte und frauenfreundliche Geburtshilfe setzt sich durch. In geburtsvorbereitenden Kursen und Hebammen-Sprechstunden können die schwangeren Frauen rechtzeitig Kontakte zur Hebamme knüpfen und ihre persönlichen Wünsche und Vorstellungen besprechen. 


Betreuung nach der Geburt im Wochenbett 

Im Wochenbett übernehmen Hebammen die Betreung von Mutter und Kind und leisten Stillberatung, geben Anleitung in der Säuglingspflege, beraten in Fragen der Familienplanung und zum täglichen Alltag. Sie bieten Kurse zu Rückbildung, Stillen und zum Leben mit dem Neugeborenen an. Hebammen leisten psychologische Unterstützung in dieser neuen Lebenssituation und sind Vertrauensperson und Ansprechpartnerin für die junge Familie in Fragen der Gesundheitsvorsorge. 

Familienhebammen arbeiten bisher noch in wenigen Gebieten, sie betreuen Mütter und Kinder über die Zeit des Wochenbetts hinaus im ersten (und zweiten) Lebensjahr. Die Hebamme ist Ansprechpartnerin für soziale, familiäre und gesundheitliche Fragen. Besonders in sozialen Brennpunkten soll so ein Ausgleich für die veränderten Familienstrukturen in unserer Gesellschaft geschaffen und eine gute Versorgung von Müttern und Babies sichergestellt werden. Die Familienhebamme hat eine wichtige Funktion in der Gesundheitserziehung und -vorsorge. In vielen Geburtshäusern wird diese Form der Betreuung über die Zeit des Wochenbettes hinaus bereits angeboten. 


Ganzheitliche Betreuung für werdende und junge Familien. 

Schwangerschaft und Geburt sind natürliche Lebensvorgänge, die im Regelfall keine medizinischen Eingriffe und Behandlungen erfordern. 
Die liebevolle Begleitung und sorgfältige Betreuung in der Schwangerschaft durch die Hebamme vermittelt Sicherheit und Vertrauen. Die Schwangerschaftsvorsorge gehört ebenso wie Geburtsvorbereitung, Hilfe bei der Geburt und Betreuung von Mutter und Kind nach der Geburt zum Aufgabenbereich der Hebamme. Die kooperative Betreuung mit Frauen- und KinderärztInnen ist üblich und sinnvoll, ebenso wie bei Bedarf die ergänzende Zusammenarbeit mit Beratungsstellen und SpezialistInnen. 

Aufgrund Ihrer Ausbildung ist die Hebamme befähigt, normale Schwangerschaften und Geburten selbständig und in eigener Verantwortung zu begleiten und zu leiten und Mutter und Kind im Wochenbett zu betreuen. Bei krankhaften Abweichungen vom normalen Schwangerschafts-, Geburts- oder Wochenbettverlauf zieht sie die Fachärztin/den Facharzt hinzu. Fachliche Kooperation ist immer dann notwendig, wenn gesundheitliche Risiken für Mutter oder Kind bestehen oder zu erwarten sind. Dies zu beurteilen, ist auch Aufgabe der Hebamme. 

Keine Geburt ohne Hebamme. 

Die Hinzuziehungspflicht der Hebamme ist gesetzlich geregelt. Sie besagt, dass zu jeder Geburt (und bis mindestens zwei Stunden danach) eine Hebamme hinzugezogen werden muss. Dies gilt auch für geburtshilfliche Operationen (wie Kaiserschnitt, Saugglocke und Zangenentbindung), hierbei assistiert die Hebamme der Fachärztin/dem Facharzt und versorgt Mutter und Kind. 

Das Recht auf Hebammenhilfe 

Jede Frau hat laut Mutterschutzgesetz Anspruch auf Hebammenhilfe in der Schwangerschaft, während der Geburt und in der Zeit danach. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. 

Silvia Skolik, Januar 2001 


Hebammen bilden Vertrauen. 

Die Hebamme hat heute wie gestern eine zentrale Rolle
bei der Betreung von Mutter, Kind und Familie.

 

Mehr über Hebammen:

Zurück