Hodenhochstand

 

 

Hodenhochstand bedeutet, dass ein oder beide Hoden zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht in den Hodensack gewandert sind. Die Wanderung der Hoden vom Bauchraum durch den Leistenkanal in den Hodensack beginnt normalerweise im dritten Schwangerschaftsmonat und ist bis zur Geburt abgeschlossen. Beim Hodenhochstand befinden sich ein oder beide Hoden noch vor oder im Leistenkanal. 

Es werden verschiedene Formen des Hodenhochstandes unterschieden: Leistenhoden, Gleithoden, Bauchhoden, Pendelhoden, Wanderhoden und die sehr seltene Hodenektopie, bei der die Hoden ausserhalb der normalen „Wanderroute“ liegen. Die Ursachen für den Hodenhochstand sind unterschiedlicher Natur. Es spielen meist mehrere Faktoren eine Rolle: hormonelle und/oder nervlich funktionelle Fehlsteuerung und/oder anatomische Unregelmässigkeiten.

Von den zeitgerecht (reif) geborenen Jungen sind 3 bis 6% von einem ein- oder beidseitigen Hodenhochstand betroffen. Nach der Geburt wandern bei den meisten dieser Jungen (etwa bei 75%) die Hoden in den ersten Lebensmonaten von alleine in den Hodensack. Nach dem 1. Lebensjahr haben nur noch etwa 2% einen Hodenhochstand, der behandelt werden muss. Frühgeborene Jungen sind deutlich häufiger betroffen, etwa zu 25 bis 30%, weil die Hodenwanderung zum Zeitpunkt der (verfrühten) Geburt noch nicht abgeschlossen ist.

Behandlungsformen je nach individueller Diagnose:
Abwarten in den ersten Lebensmonaten (evt. spontaner Hodenabstieg)
Hormonelle Therapie (etwa ab dem 3. Lebensmonat)
Operativer Eingriff (wenn nötig möglichst im Verlauf des 1. bis Anfang des 2. Lebensjahres)

Bei Verdacht auf Hodenhochstand, d.h. wenn die Hoden nicht sicher tastbar sind, sollte das Baby alsbald einem Kinderarzt/Kinderurologen vorgestellt werden, damit eine Diagnose gestellt und die richtige Behandlung zügig eingeleitet werden kann. Zur Diagnostik werden Tastbefunde erhoben und bei Bedarf auch Ultraschall oder Laparoskopie (Bauchspiegelung) eingesetzt.

Im Vergleich zu früheren Jahren geht die Tendenz heute deutlich dahin, eine ggf. notwendige Operation bereits zwischen dem 6. Und 12. Lebensmonat durchzuführen, um eine Schädigung der Hoden zu vermeiden bzw. so gering wie möglich zu halten. Eine frühzeitige Behandlung ist für die spätere Fruchtbarkeit des Mannes von sehr grosser Bedeutung, weil ein Hoden, der nach der Geburt im Körperinneren liegt und überwärmt, dauerhaft geschädigt und somit die Samenproduktion und -qualität beeinträchtigt werden kann. Die Temperatur im Hodensack ist ca. 3-4 Grad Celsius niedriger als die Körpertemperatur, was ideal und notwendig für die Bildung gesunder Spermien ist. Vermutlich ist die Lageanomalie der Hoden die Hauptursache für Fruchtbarkeitsstörungen und Zeugungsunfähigkeit beim Mann. Weitere Komplikationen des Hodenhochstandes können bösartige Tumoren im späteren Leben sein. Fast die Hälfte der Jungen mit einem Hodenhochstand hat begleitend einen Leistenbruch.

Begriffe: 
Hodenhochstand = lat. maldescensus testis, auch Kryptorchismus genannt
Hoden = auch Testikel genannt, mit den Nebenhoden; produzieren Spermien und Geschlechtshormone
Hodensack = auch Skrotum genannt; beinhaltet Hoden und Nebenhoden

Mehr Information:
Hodenhochstand beim Säugling - Dr. med. Andreas Römer, Urologe, Berlin
http://www.geburtskanal.de/Wissen/H/HodenHochstand.php
Hodenhochstand, ein ausführlicher Überblick - Donauspital Wien, Kinderchirurgie
http://www.kidsdoc.at/hodenhochstand.html


Geburtskanal Redaktion, 2014
Silvia Skolik

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