KISS-Syndrom

Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung 

[…] Hierbei handelt es sich um schmerzhafte Verspannungen an der oberen Halswirbelsäule mit Folgebeschwerden bei Säuglingen und Kleinkindern. 

Ursachen: 
Sie entsprechen denen des Schiefhalses * 

Symptome:

  • Kind schreit viel (oft als 3-Monats-Koliken abgetan)
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Schiefhaltung des Kopfes, selten andere Haltungen
  • Kind hat Probleme, den Kopf selber zu halten
  • Einseitige Schlafposition
  • Arme und Beine werden asymmetrisch bewegt
  • Einseitige Rumpfhaltung
  • Die Hüftgelenke haben oft eine Unreife
  • Fehlstellung der Füsse
  • Hohe Berührungsempfindlichkeit im Nacken
  • Der Schädel ist ungleich ausgebildet
    (Asymmetrie am Hinterkopf oder im Gesicht)

Folgebeschwerden:

  • Kindliche Kopfschmerzen
  • Schluckbeschwerden
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Erschwerte Sprachentwicklung
  • Lernschwierigkeiten
  • Rückenschmerzen

Diagnose:

  • Röntgenaufnahme der Wirbelsäule
  • Lagetest (Symmetriebetrachtung des Kindes, Beobachtung von Gelenkbeweglichkeit und der Kopfhaltung)
  • Segmentale Untersuchung der Wirbelsäule (abprüfen der Beweglichkeit aller Wirbel vom Beckenring bis zum Hinterkopf beim liegenden oder sitzenden Kind)

Maßnahmen:

  • Manualtherapie (sieht fast wie die segmentale Untersuchung aus). Der Säugling liegt vor dem Arzt in Rückenlage. Eine Hand hält vorsichtig den Kopf seitlich fest. Der Zeigefinger der gegenüberliegenden Hand gibt leichte Druckimpulse auf die verspannten Wirbel. Der Muskeltonus wird durch diese Impulse herabgesetzt und die Durchblutung gebessert.
  • Krankengymnastik nach Bobath, Vojta und Feldenkrais.

Prognose: 
Bei frühzeitigem Behandlungsbeginn gut, deutliche Besserung bereits nach 8 Wochen. […]

Text-Quelle: 
Mändle, Opitz-Kreuter, Wehling 'Das Hebammenbuch', 3. Aufl., S. 749 
Schattauer Verlag www.schattauer.de



* Der Schiefhals (Torticollis) 

Der Schiefhals entsteht durch eine Fehlhaltung des kindlichen Kopfes, der musculus sternocleidomastoideus ist hierbei verkürzt. Zu einer solchen Fehlhaltung kann es z.B. durch eine Nabelschnurumschlingung (selten) oder durch Platzmangel in der Gebärmutter kommen, wie etwa bei Mehrlingen. Diese sind auch häufiger betroffen. Traumatische Geburten (z.B. schwere Beckenendlage-Geburt, erschwerte Schulterentwicklung) sind eine weitere mögliche Ursache. Erste Anzeichen für einen Schiefhals bemerkt man bereits kurz nach der Geburt: die betroffene Halsseite ist geschwollen, das Baby hält den Kopf schief. Zur Behandlung wird das Neugeborene auf die nichtbetroffene Seite gelegt, ggf. muss sich eine krankengymnastische Behandlung anschliessen. Wenn frühzeitig mit der Behandlung begonnen wird, sind die Heilungschancen sehr gut.

Literatur
  • KISS- Kinder
    Heiner Biedermann
    Thieme, Stgt., 2001; ISBN: 3131288523

     

  • Warum schreit mein Baby so?
    Hilfen für Schreibabys und ihre Eltern

    Bettina Salis
    Rowohlt TB, 2000; -V., ISBN: 3499608278

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