Lesbische Mütter

Eine kleine Bestandsaufnahme

von Steffi Mann 

Im Leben einer Frau - im speziellen einer lesbischen - kann es vorkommen, dass frau plötzlich von einem umfassenden Kinderwunsch befallen wird - sich nichts sehnlichster wünscht, als ein Kind zu gebären - es mit der gemeinsamen Lebenspartnerin groß zu ziehen - so wie jede andere Frau auch. Da die Natur hierfür jedoch unabhängig von der Richtung der gewählten Sexualität vorsieht, dass sich neben einem kleinen Eichen auch so kleine wild zappelnde kopflastige Biesterchen am Entstehungsakt beteiligen, stehen die lesbischen Frauen zuallererst vor der Frage: Wie kommt frau zum notwendigen Sperma? 

In Deutschland wie auch in Frankreich ist die künstliche Befruchtung oder auch Insemination nur verheirateten Paaren gestattet. Lesbischen und alleinstehenden heterosexuellen Frauen ist es per Gesetz verboten, ihrem Kinderwunsch mit Hilfe von gespendetem Samen zur Erfüllung zu verhelfen. Da unsere westlichen Nachbarn Holland und Belgien hier beispielhaft toleranter auftreten, ist es uns Frauen auf diesem Wege möglich, auf Umwegen doch noch den Zustand der Schwangerschaft erleben zu können. 

Als zweite Möglichkeit wäre hier aber auch zu nennen, dass frau einen guten Freund - sofern vorhanden - bittet, an diesem Projekt als Samenspender "teilzunehmen". Die Probleme fangen aber wohl erst richtig NACH der Zeugung an. Rein gesetzlich wird das Kind "vaterlos" geboren - egal welche Variante der Zeugung gewählt wurde (im Falle der Insemination mit anonymem Spendersamen kann der Vater in der Tat nicht angegeben werden, da unbekannt). Wenn ein guter Freund der Vater ist, vermeidet man bei der deutschen Gesetzgebung besser die Nennung des Vaters, da dieser einer der Mutter gleichgestelltes Recht auf das Kind hat - er andererseits mit diesem Recht aber auch jegliche finanzielle Verantwortung für dieses Kind übernimmt! 

Privat abgeschlossene Verträge zwischen dem Erzeuger und dem lesbischen Paar, indem man sich gegenseitig versichert, auf alle Ansprüche in der Zukunft zu verzichten (der Vater auf Rechte gegenüber dem Kind, die Mutter auf eventuelle Geldforderungen) sind vor dem Gesetz ungültig. Im Falle dieser gewählten Lösung gehört also auch eine gesunde Portion von gutem UR-Vertrauen in diese Freundschaft zwischen dem Vater und Erzeuger und dem lesbischen Pärchen. 

Andererseits muß sich wohl jedes lesbische Mutter-Paar auch mit der Frage auseinandersetzen: Was werden wir unserem Kind erzählen, wenn es uns nach dem Vater fragt? Bei der Wahl 'Welche Variante wird für die Zeugung des Kindes gewählt' spielte diese Frage für uns die wohl größte Rolle. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sehr diese Frage einen heranwachsenden Menschen interessieren kann! 

Die gesetzliche Anerkennung homosexueller Lebenspaare hat sich in den letzten Jahren um vieles gebessert, auch wenn für homosexuelle Paare mit Kindern noch vieles völlig unzureichend geregelt ist. 

Wir leben in Frankreich und konnten seit der Gesetzgebung vom 1.1.2000 dem sogenannten Solidar-Pakt beitreten: eine Registrierung von homo- wie auch heterosexuellen Paaren, die es dem Paar erlaubt, gewisse soziale und gesetzliche Vorteile gegenüber alleinstehenden Personen zu erwerben. Als Beispiel möchte ich hier nur kurz nennen: verbesserte Besuchserlaubnis bei Krankheit des Partners; verbessertes Erbrecht (jedoch längst nicht dem der ehelichen Gemeinschaften angepasst), steuerliche Vergünstigungen (Steuer-Splitting ist nach 3 Jahren gemeinsamer registrierter Beziehung möglich). Das Erbrecht verlangt ebenso diese Mindestlaufzeit von 3 Jahren registrierter Partnerschaft. Eine ähnliche Regelung ist seit 1.1.2001 auch in Deutschland gesetzlich festgelegt (Lebenspartnerschaftsgesetz). 

Es ist ein Anfang, über den wir sehr froh sind und den wir auch von Beginn an genutzt haben. Die ersten 3 Jahre sind in unserem Fall jedoch finanziell eher ein Verlust, da auf Grund des Solidar-Paktes das Gehalt meiner Partnerin voll angerechnet wird - ich dadurch in den Kindereinrichtungen einen viel höheren Beitrag zahlen muß (Beispiel Kindertagesstätte: alleine bezahle ich 7 FF - seit dem PACS 45 FF). Anderseits kann meine Partnerin die Kosten für die Kinder in den ersten 3 Jahren steuerlich nicht absetzen - sie bezahlt also steuerlich gesehen als alleinstehende Frau den Höchstbetrag mit der Steuerklasse 1. 

Gravierender sind die Probleme der "Kinder-Zugehörigkeit". Eine Adoption ist homosexuellen Paaren NICHT gestattet und es ist weder in Deutschland noch in Frankreich von der Gesetzgebung vorgesehen, hier in naher Zukunft gesetzliche Veränderungen in Kraft zu setzen - ganz im Gegenteil. Beide Regierungen drücken sich ausdrücklich gegen eine Verbesserung in diesem Bereich aus. Für uns im konkreten Fall heißt das, dass meine Partnerin die Kinder nie adoptieren kann. Für den Fall, dass mir etwas passiert, hat sie rein gesetzlich gesehen gar kein Recht auf die Kinder, die sie doch vom Tag der Geburt an mit erzogen hat - die Entscheidung für die Kinder von uns beiden gemeinsam getroffen wurde - sie also ebenso eine vollwertige Mutter ist wie ich es bin. 

Testamentarisch habe ich dem Wunsch Ausdruck verliehen, dass im Falle des Ablebens meiner Person die Kinder bei ihr verbleiben. Diesem Wunsch kann (!) seitens des Jugendamtes stattgegeben werden - eine Garantie werden wir jedoch nie haben. 

Unsere Kinder werden größer - dennoch kann ich noch nicht von allzu vielen Erfahrungen aus dem Alltag - geschweige denn von vielen Diskriminierungen berichten. Im Gegenteil. Schon bei der Geburt der Großen im November 97, also gut 3 Jahre her und vor dem Inkrafttreten des Solidarpaktes, hatten wir keine Probleme mit eventuellem eingeschränktem Besuchsrecht auf der Intensiv-Station, auf der die Große die ersten 5 Tage ihres Lebens lag. Meine Partnerin wurde dort als ebenbürtige 2. Mutter akzeptiert - ohne Diskussion oder Erklärungen. 

Die ersten Eingliederungen der Kinder dann in den Kindereinrichtungen (Tagesstätte, Kindergarten) führten weder zu verhaltenem Schweigen noch zu Stotterern seitens der Leiterinnen, als die Frage nach dem Vater der Kinder gestellt wurde und ich antwortete, dass die Kinder 2 Mütter hätten. Die Kinder wurden aufgenommen, wie jedes andere auch - ohne Benachteiligungen - ohne besondere Vorteile. 

Die Frage nach dem Vater der Kinder wird uns - darüber sind wir uns einig - das ganze Leben lang begleiten und das mehr als es in jeder Hetero-Beziehung gestellt wird. Das Eltern sich trennen, ist heute keine Seltenheit - eher (traurige) statistische Wahrheit geworden. Keiner dieser Eltern wird wohl hierbei befragt '…und der Vater der Kinder, warum lebt der nicht mit den Kindern - kann das gut gehen?' 

Unsere Kinder haben 2 Mütter und einen Vater, der nicht mit uns wohnt, zu dem wir aber ein sehr freundschaftliches und herzliches Verhältnis haben. Was in 10 Jahren ist, können wir - wie jedes andere Elternpaar auch - nicht vorhersagen. Unsere Kinder werden mit sehr viel Liebe und Harmonie groß gezogen - sie waren sehr bewusst gewollt, keine ungewollten 'Unfälle' in unglücklichen Nächten. Ich denke und hoffe, dass ihnen das viel Selbstvertrauen gibt. 

Die Kinder werden sicher ein dickes Fell im Umgang mit ihren KommilitonInnen in der Schule haben müssen, um so manche Beschimpfung besser ertragen zu können - aber Fakt ist, dass sie von Beginn an eine tolerantere Einstellung zu den verschiedensten Lebensformen haben werden. 

Diese Toleranz wünschen wir uns für die Zukunft auf breiter Ebene.

 

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