Muttermilch-Ersatznahrung

Werbung für künstliche Muttermilch-Ersatznahrung

Fragwürdige "Beratung" auf Kosten der Gesundheit unserer Kinder

Weltweit sterben täglich über 4.000 Kinder durch unsachgemässe Fütterung von künstlich hergestellter Säuglingsnahrung. Die WHO (World Health Organisation) schätzt, dass pro Jahr etwa 1.5 Millionen Kleinkinder sterben, weil sie nicht gestillt werden.

Viele anerkannte gemeinnützige (nichtprofitable) Organisationen und engagierte Menschen setzen sich dafür ein, ein anderes Bewußtsein zu wecken und der Falschernährung von Säuglingen und Kindern ein Ende zu setzen. Auch eine Kampfansage an die herstellende Industrie von Muttermilch-Ersatznahrung.

Unbestritten und wissenschaftlich erwiesen ist, dass Muttermilch die beste und natürlichste Ernährungsform für Babys darstellt. Sie entspricht den individuellen Bedürfnissen jedes einzelnen Babys, ist jederzeit erhältlich und stellt den besten Schutz vor Krankheiten, Allergien und Falschernährung dar. Der häufige Körperkontakt gewährleistet zudem emotionelle Sicherheit. Wird ein Baby voll gestillt, braucht es lange keine zusätzliche Nahrung. Bei sachgemässer Anleitung gibt es kaum Stillprobleme. Gründe, die gegen das Stillen (ggf. das Füttern von Muttermilch) sprechen, sind extrem selten.

Die WHO empfiehlt das ausschliessliche Stillen (ohne Zufüttern irgendwelcher anderen Nahrung) in den ersten sechs Lebensmonaten.

Künstliche Säuglingsnahrung ist nicht gleichwertig mit Muttermilch!

Die Werbung für künstliche Säuglingsnahrung als Ersatz für Muttermilch hat wenig mit einer gesundheitlich verantwortungsvollen Beratung zu tun. Im Vordergrund steht das finanzielle Interesse der herstellenden Industrie. Frauen sollen ganz gezielt vom Stillen abgehalten und mit angsteinflößenden Parolen ("Das Baby wird nicht satt, Stillen allein genügt nicht" usw.) zum Kauf von künstlicher Säuglings-Ersatznahrung verleitet werden.

Diese Werbung ist so konzipiert und verbreitet, dass sie langsam aber sicher ins Bewußtsein eindringt. Falsche Aussagen und Halbwahrheiten werden aufgrund ihrer als glaubwürdig präsentierten Darstellung vom Verbraucher (hier den Eltern) als wahrhaftig und richtig aufgenommen.

Eingebürgert haben sich in letzter Zeit sogenannte Experten-Foren (im Internet) zur Säuglingsernährung. Ein Hersteller von Muttermilch-Ersatzprodukten ist aber wohl kaum gegeignet, ein solches Forum glaubwürdig und objektiv zu präsentieren.

Oft fehlt jungen Müttern/Eltern das notwendige Hintergrundwissen und die Erfahrung, professionelle und (von der Industrie) unabhängige Ernährungsberatung findet nicht überall statt und ist in der Glaubwürdigkeit oft schwer zu beurteilen, nicht immer ist eine gute Stillberatung "griffbereit". Die Unsitte, gesunde Babys anhand von Normgewichten und Tabellen zu beurteilen und zu kontrollieren, führt leider auch dazu, schnell zur Muttermilch-Ersatznahrung zu greifen oder sie zu empfehlen. Eine geduldige und fachkundige Stillanleitung erfordert eben mehr Zeit und Mühe.

Die Überlegenheit des Stillens gegenüber der künstlichen Säuglingsnahrung ist eindeutig belegt.

Vorurteile und sogenannte gute Ratschläge ("Du bist auch ohne Stillen gross geworden, Mach dich doch nicht so abhängig, Stillen schadet der Brust, Wie willst du denn dann noch Zeit für deinen Mann haben, Dicke Babys sind gesund" etc.) sind immer noch weit verbreitet. Verunsicherung macht sich breit ("Wird mein Baby wirklich satt? Vielleicht hat meine Mutter doch recht? Was ist, wenn mein Mann das gar nicht mag?"). Irrtümer entstehen. Selbstbestimmte Entscheidungen werden erschwert. Ein leichtes Spiel für die Industrie. Gefährlich für die Ernährung unserer Kinder. Manipulation und Bauernfängerei gehören zur Werbung. Bei der Säuglingsernährung muss sie allerdings besonders scharf abgelehnt werden. Im Sinne des Verbraucherschutzes sollte diese Art von Werbung dringend untersagt werden.

Die Zielgruppen der Hersteller künstlicher Säuglingsnahrung sind neben werdenden und jungen Müttern/Eltern auch Fachleute im Gesundheitswesen. Die über Jahrzehnte andauernde Werbung hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Vielerorts findet ein Umdenken erst langsam statt.

Die Verteilung dieser Werbung über das öffentliche Gesundheitswesen ist besonders fragwürdig.

Werbung für Muttermilch-Ersatzprodukte erscheint flächendeckend und getarnt in Form von Anzeigen, als Ernährungsberatungs-Broschüren, Babynahrungs-Ratgeber oder als Ernährungsplan. Häufig sind diese frei erhältlich oder liegen in Gesundheitseinrichtungen, Kliniken oder Praxen aus. Sie sollten - wenn überhaupt - kritisch gelesen werden. Weite Verbreitung solcher 'Beratung' findet sich auch in Apotheken- und anderen Gesundheitsheftchen, kostenlos natürlich. Nicht selten erhalten Klinikleitungen teure Geschenke als Anreiz zum Auslegen oder Verteilen(-lassen) solcher Broschüren. Eine gute Beratung sollte in persönlicher Form und von Fachleuten durchgeführt werden. Vorgefertige normierte Ernährungspläne der Industrie sind mit Vorsicht zu geniessen!

Pseudo-wissenschaftliche und beeindruckende Bezeichnungen wie "Forschungsinstitut für Kinderernährung" - "Gesellschaft für gesunde Ernährung" - "Bundesverband für Gesundheitsinformation" oder ähnliche sollten nicht den geringsten Respekt abnötigen. Sie geben allein durch den Namen noch keine Garantie auf Seriösität und richtige Information. Dasselbe gilt für Aushängeschilder wie "von ExpertInnen empfohlen". Wer tatsächlich hinter diesen Empfehlungen steckt, ist selten nachvollziehbar und oft auch gar nicht in Erfahrung zu bringen.

Die optisch besonders ansprechende und aufwendige Form solcher 'Ratgeber' (niedliches Wonneproppen-Baby, glückliche junge Mutter mit oder ohne Fläschchen in der Hand und im Designerkleidchen) tut ein Übriges. Die Werbung ist psychologisch geschickt versteckt, so dass der Zweck auf den ersten Blick oft gar nicht ersichtlich ist.

Die Unsitte, aufwendige Werbegeschenke und "Pröbchen" der Säuglingsnahrungshersteller in Kliniken an werdende und junge Mütter/Eltern zu verteilen, ist leider immer noch weit verbreitetet. Sie sind ja auch allzu nett aufgemacht und wer lässt sich nicht gerne von hübschen Werbegeschenken ködern? Braucht man aber wirklich das geschenkte Badethermometer, den bunten Schnulli, den knuddeligen Billig-Plüschteddy, den bunten Waschhandschuh und den Berg von Verpackungsabfall? Keinesfalls braucht das Baby die beigefügten Probepäckchen mit Muttermilch-Ersatznahrung.

Diese Werbegeschenke erreichen ihre Zielgruppe auch auf vielen anderen Wegen: z.B. als Gutscheine, Bestellung per Internet, Auslage (Kalender etc.) in öffentlichen und privaten Einrichtungen u.a.. Sie sind einzig und allein dazu da, die Eltern zum Kaufen von künstlicher Säuglings-Ersatznahrung zu animieren und gleichzeitig zu unterstellen, dass es mit dem Stillen ja sowieso nicht klappt. Also warum nicht schon mal vorsichtshalber…. So wird die Illusion erzeugt, dass sich die "netten" Hersteller von künstlicher Säuglingsnahrung tatsächlich um das Wohl von Mutter und Baby sorgen. Es entsteht der Eindruck von obkektiver Information, obwohl es sich in Wirklichkeit um Werbung handelt.

Die Industrie, die hinter dieser Werbung steht, ist finanzstark, machtvoll und einflussreich. Jeder einzelne Verbraucher, der darauf reinfällt, trägt zu diesem Kreislauf bei: mehr Einnahmen durch Verkauf > mehr Geld für Werbung > mehr Verbraucher > mehr Ernährungsfehler > grössere gesundheitliche Schäden > mehr notwendige medizinische Behandlungen > höhere Kosten für die Allgemeinheit.

Unterm Strich profitiert die Säuglingsnahrungs-Industrie auf Kosten unserer Gesundheit, schlimmer noch: auf Kosten der Gesundheit unserer Kinder!
Verantwortung für unsere Kinder heisst auch, sich dieser skrupellosen Einflussnahme bewusst zu sein und durch selbstbestimmte Entscheidungen und kritisches (Verbraucher-)Verhalten entsprechend zu reagieren.

Vorsicht vor solchen oder ähnlichen suggestiven "Informationen":



[…] Stillen ist gut, aber wenn Ihr Baby zu oft schreit oder älter wird,
braucht es etwas Kräftiges: die Anfangsnahrung von …
Damit Ihr Baby ruhig schläft. […]

[…] Groß und stark mit dem Fläschchen: Welche Muttermilch-Ersatznahrungen sind geeignet, wenn das Baby nicht an der Brust trinken mag
oder allergiegefährdet ist? […]

[…] Allergenarme Säuglingsnahrung ist die geeignete Alternative,
damit Ihr Baby im Kindesalter keine Allergien entwickelt.
Im Interesse einer vorbeugenden Ernährung…

[…] Gestillte Babys werden nach wenigen Monaten nicht mehr satt.
Dann ist es Zeit für eine sättigende Dauernahrung von…
Satte Babys - zufriedene Mütter. […]

[…] Väter schlagen Alarm: "Unsere Frauen haben keine Zeit mehr für uns.
Sie stillen den ganzen Tag und wir müssen uns auch noch
um den Haushalt kümmern… " […]

[…] Bekommt mein Baby genug Milch? Ob Ihre Milch ausreicht,
können Sie daran erkennen, dass Ihr Baby vier bis fünfmal
pro Tag eine schwere Windel hat. […]

[…] Hunger ist eine schlimme Sache! Es kann durchaus vorkommen,
dass Ihr kleiner Liebling trotz häufigen Anlegens
von Muttermilch alleine nicht satt wird… […]

[…] Sie können Ihr Baby stillen und ihm dazu auch noch eine
fertige Babynahrung füttern… […]

[…] Durch Stillen abhängig! Nicht nur Mütter haben weniger Freiheit,
sondern auch Kinder werden durch langes Stillen
abhängig und unselbständig… […]

[…] Mütter, die stillen, müssen den ganzen Tag essen und grosse Menge trinken, damit sie ihr Baby auch satt bekommen… […]



Hier wird mit der Angst und Unsicherheit junger Eltern
auf skrupellose Art Geld gemacht!

Es wird gezielt der Versuch unternommen, Mütter
in ihrem Selbstvertrauen zu schwächen!



Unabhängige fachkundige und persönliche Informationen und Beratung bekommen Sie durch Hebammen, Still- und Laktationsberaterinnen, engagierte Frauen- und Kinderärzte/innen und in freien Stillgruppen. Das Modell der Stillambulanzen wird beraten und sich hoffentlich durchsetzen.

Silvia Skolik, 2001

 

Weitere Information finden Sie hier:

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