Muttertag

Mütter - die Stützen der Gesellschaft und doch an allem schuld?


von Dorothee Wolf-Stiegemeyer

Die Mütter sind nach Aussagen von Politikern die Stützen der Gesellschaft. Sie übernehmen eine wichtige Aufgabe in der Erziehung der Kinder. Sie sind es, die ein Fortbestehen unserer Gesellschaft garantieren.

Da erstaunt es doch, wie fahrlässig oft mit den Leistungen dieser Frauen umgegangen wird. Sie tragen eine hohe Verantwortung und erbringen ihre Leistungen zumeist unentgeltlich. Und doch stehen sie immer unter Beobachtung, ob sie ihre Aufgaben auch wirklich gut erfüllen. Kommt z.B. ein mit Behinderung lebendes Kind zur Welt, so wird sie schnell recht vorwurfsvoll gefragt, ob sie denn keine Fruchtwasseruntersuchung gemacht habe. Frei nach dem Motto: "Wie kannst Du Dich und die Gesellschaft nur mit solch einem Kind belasten?"

Zeigt das Kind irgendwelche Auffälligkeiten, lutscht es am Daumen, ist vielleicht in der Schule unkonzentriert: Ganz einfach: "Die Mutter ist schuld."

Dies ist leider keine von mir erdachte Hypothese, sondern Realität in unserer Zeit.

Selbst wenn in späteren Jahren Probleme auftreten, stellt sich sofort die Frage: "Wie war denn die Mutter-Kind-Beziehung?" Egal was die Mutter gemacht hat, sie hat mit Sicherheit zuviel oder zuwenig getan; war zu streng oder zu lasch in der Erziehung; sie war zu liebevoll und hat dadurch ihr Kind eingeengt oder hat dem Kind zuwenig Liebe gegeben.

Da ist es ganz nützlich, dass gerade Mütter eine besondere Neigung dazu haben, sowieso die Schuld bei sich zu suchen, wenn mal etwas schief geht: "Hätte sie doch auf die wärmeren Socken bestehen sollen, die dann eventuell die Erkältung des Kindes verhindert hätten?" "Vielleicht wäre ihr Kind heute besser zufrieden, wenn sie den Kleinen nicht gestern Abend in der Obhut eines Babysitters gelassen hätte?"

Da ergänzen sich die persönlichen Neigungen vieler Mütter zu Schuldgefühlen wunderbar mit den durchaus üblichen Schuldzuweisungen von Außen.

Von wem erfährt die Mutter überhaupt eine Achtung ihrer herausragenden Tätigkeit? Ab und zu gibt es Lobeshymnen über den Wert der Familie und der besonderen Leistung der Mütter. Besonders beliebt in Zeiten der Wahl und natürlich am Muttertag. Und den Rest des Jahres sind die Mütter die Frauen, die von Pädagogen und diversen "Experten" belächelt werden als unkompetente Erziehungsspezialisten, die ihre Kinder natürlich völlig falsch einschätzen. Es sind die Frauen, die letztlich die Entscheidung treffen, ob eine Behandlung oder Therapie durchgeführt wird, zu der die Ärzte zwar raten, wofür aber niemand anders eine Verantwortung übernehmen möchte. Dies sind Mütter, die in den Augen "wohlmeinender" Nachbarn ihr Kind nicht höflich genug erziehen, aber gleichzeitig viel zu viele Grenzen setzen. Es sind Mütter, die von ihren eigenen Müttern hören, dass man/frau halt als Mutter auf vieles einfach verzichten muss. Das ist halt schon seit Generationen so.

Letztendlich bleiben die Frauen in der Kindererziehung alleine gelassen in ihrer Verantwortung. Aber das Ergebnis dieser Erziehung wird sehr kritisch von Außen beurteilt.

Mütter lernen damit zu leben, dass "keine Kritik" ein Lob ist. Und dass sie letztlich an allem schuld sind, wenn mal etwas nicht den Ansprüchen anderer Menschen entspricht.

Da wünsche ich mir einfach von Herzen, dass vor jedem kritischen Gedanken der Satz Anwendung findet: Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.

Dadurch bekommen zwar die Mütter nicht die ihnen zustehende Wertschätzung. Sie werden jedoch auch nicht durch immer wiederkehrende direkte oder indirekte Kritik abgewertet!


© 2003 Dorothee Wolf-Stiegemeyer
Mütter besonderer Kinder
http://www.muetter.besondere-kinder.de

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