Schwangerschaft nach Vergewaltigung

Abstract zur Diplomarbeit

von Manuela Sperber


In der folgenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Situation von Frauen, die aus einer Vergewaltigung schwanger geworden sind oder ein Kind aus einer Vergewaltigung haben.
Dabei beziehe ich mich vor allem auf die alltägliche Gewalt, die Frauen in der Gesellschaft und in ihrem Lebensumfeld erfahren.

Die doppelte Konfliktsituation "Schwangerschaft nach Vergewaltigung" kann in allen Beratungsstellen und Einrichtungen auftauchen, die sich mit Aspekten der psycho-sozialen Verfassung von Frauen beschäftigen. Insbesondere sind davon Einrichtungen wie die Frauen-Notrufe und ähnliche Anlaufstellen betroffen, die direkt zum Thema "Folgen von sexualisierter Gewalt" arbeiten. Es muß aber davon ausgegangen werden, daß auch andere Beratungsstellen mit dieser Problematik direkt oder indirekt konfrontiert sind. Oft kommt das Thema jedoch nicht zur Sprache.

Schwangerschaften aus Vergewaltigung kommen häufiger vor als gemeinhin angenommen. Eine amerikanischen Studie (http://prochoice.about.com, 24.10.00) geht davon aus, daß auf 5% aller Vergewaltigungen eine Schwangerschaft folgt. Dies würde bei 7499 Fällen von Vergewaltigung in Deutschland im Jahr 2000 (PKS 2000) rund 375 Schwangerschaften aus sexuellen Übergriffen bedeuten.

Dem steht gegenüber, daß es keine ausgearbeiteten Konzepte zur Beratungsarbeit mit dieserart traumatisierten Frauen gibt. Es ist jedoch von einem großen Informationsbedarf bei professionellen HelferInnen wie auch bei Betroffenen auszugehen.


Aufbau der Arbeit
Am Anfang stand eine Anzahl ungeklärter Fragen. Was bedeutet die zusätzliche Problematik einer Schwangerschaft in Verbindung mit dem Trauma einer Vergewaltigung? Welche Folgen hat dies für eine betroffene Frau? Worüber muß sie speziell informiert oder beraten werden? Welche unterschiedlichen Seelenlagen müssen berücksichtigt werden? Was bedeutet in dieser Situation ein Schwangerschaftsabbruch? Was geschieht, wenn eine Frau den Abbruch der Schwangerschaft aus ethischen Gründen nicht vertreten kann? Welche Rolle spielt der "Vater" des Kindes?

Da kaum Literatur zur Themen-Kombination "Schwangerschaft nach Vergewaltigung" vorhanden ist, habe ich den Versuch unternommen, das Problem von verschiedenen Seiten her einzugrenzen.
Die Arbeit beginnt mit der Betrachtung der psychischen Befindlichkeit von sexuell traumatisierten Frauen. Der zweite Ausgangspunkt ist die seelische Verfassung in der gewollten und ungewollten Schwangerschaft. Daraus leite ich als Synthese das Thema "Schwangerschaft nach Vergewaltigung" ab. Ich gehe kurz auf die Situation im Krieg ein, da Vergewaltigungen und daraus resultierende Schwangerschaften oft spontan mit dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien assoziiert werden. Darüber hinaus habe ich eine nicht-repräsentative Befragung verschiedener Nürnberger Einrichtungen durchgeführt, um einen Überblick über die tatsächliche Situation zu erhalten. Aus diesen Erkenntnissen leite ich Forderungen ab, die die praktische Arbeit mit betroffenen Frauen verbessern und gesellschaftliche Umdenkprozesse anregen sollen.

Mehr Information:

Zurück