Schwangerschaftsabbruch (Abtreibung)

Abtreibung bedeutet Abbruch einer Schwangerschaft.

Die Gründe dafür sind vielfältiger persönlicher oder medizinischer Natur. Ein Schwangerschaftsabbruch wird aufgrund einer persönlichen Entscheidung der Frau in der Frauenarzt-Praxis oder in der Frauenklinik vorgenommen.

Laut §218 StGB ist der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland verboten.
§218a ff besagt jedoch, dass eine Frau nach Beratung in einer anerkannten Beratungsstelle einen Schwangerschaftsabbruch in einem bestimmten Zeitraum (innerhalb der ersten zwölf Wochen, bei entsprechender Indikation auch später) und nach vorgeschriebener Beratung straffrei durchführen lassen kann.

Die Krankenkassen bezahlen den Eingriff in folgenden Fällen:

  • soziale Indikation: Wenn die soziale Situation der Frau so angespannt ist, dass eine Schwangerschaft nicht zumutbar ist.
  • medizinische Indikation: Wenn die Gesundheit der Frau durch die Schwangerschaft bedroht ist oder eine gesundheitliche Schädigung des Embryos vorliegt oder zu befürchten ist (embryopathische Indikation).
  • Kriminologische Indikation: Wenn die Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung eingetreten ist.


In Österreich ist der Schwangerschaftsabbruch ebenfalls straffrei bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche nach der Einnistung der befruchteten Eizelle (spätestens bis zum Ende der 14. Schwangerschaftswoche nach Beginn der letzten Menstruation).Diese Regelung ist im § 97 des StGB festgelegt.

Die Schweiz hatte seit 1942 ein restriktives Gesetz (§118 - 121 StGB). Der Schwangerschaftsabbruch war verboten und kam einer staatlichen Gebärpflicht gleich. Trotz dieser gesetzlichen Einschränkung hatte sich dank der Frauenbewegung die Praxis des Schwangerschaftsabbruchs laufend liberalisiert. Bereits seit 1988 gab es keine Verurteilung mehr wegen illegalen Schwangerschaftsabbruchs. Aber erst im Juni 2002 wurde dieses Gesetz nach einer Volksabstimmung geändert. Es gilt nun die Fristenlösung in allen Kantonen (in den ersten 12 Schwangerschaftswochen).


Ihr erster Weg sollte zu einer Frauenärztin/einem Frauenarzt führen, um die Schwangerschaft sicher feststellen zu lassen. Hier erhalten Sie eine Bescheinigung über die vorliegende Schwangerschaft. Danach erfolgt das Beratungsgespräch in einer Beratungsstelle. Die Beratung ist kostenfrei. Die Beratungsstellen benennen die in Frage kommenden Ärzte oder Kliniken. Das Beratungsgespräch unterliegt der Schweigepflicht.

Nach der Beratung - mit ausgestelltem Beratungsschein - erfolgt der medizinische Eingriff nach vorheriger Untersuchung in der Praxis oder Frauenklinik durch die Frauenärztin/den Frauenarzt meistens ambulant.

Zwischen Beratungsgespräch und Eingriff müssen laut Gestetz mindestens 3 Tage liegen. Diese Zeitspanne soll die Möglichkeit schaffen, eine klare und nicht überstürzte Entscheidung zu treffen.

Der eigentliche medizinische Eingriff ist heute bei fachgerechter Ausführung risikoarm. Es gibt verschieden Methoden:

  • Die Absaugmethode
  • Die Kürretage
  • Medikamentös: mit Myfegyne ® auch RU 486 oder "Abtreibungspille"genannt; zur Anwendung in der Frühschwangerschaft
  • Medikamentös: mit Prostaglandinen (Hormonen) nach der 12. Schwangerschaftswoche


Über die genaue Durchführung, Massnahmen und mögliche Risiken im Einzelfall klärt Sie Ihre Frauenärztin/Ihr Frauenarzt auf.

Seit einiger Zeit ist die sogenannte "Abtreibungspille" Mifegyne, besser bekannt unter dem Namen "RU 486", auf dem Markt. Sie darf nur in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft angewendet werden. Aufklärung und Verabreichung erfolgt durch die Fachärztin/den Facharzt.

In Deutschland werden pro Jahr laut offizieller Zahlen (Stat. Bundesamt für 2001) etwa 135.000 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Die Zahlen weisen einen leichten Rückgang in den letzten Jahren aus.

Kompetente Aufklärung und Beratung erhalten Sie durch die Fachärztin/den Facharzt und in anerkannten Beratungsstellen.

Die Stellung der Katholischen Kirche zum Schwangerschaftsabbruch wirft die Frage auf, ob ihre Beratungsstellen in Zukunft noch geeignet sind, Beratung im Sinne der erforderlichen Schwangerschaftskonfliktsberatung durchzuführen oder ob ihnen von der Kirchenobrigkeit die Hände dauerhaft gebunden sind.

Als Schwangere haben Sie das Recht und die Möglichkeit, unter den Beratungsangeboten auszuwählen , sich Ihre Meinung zu bilden und Ihre Entscheidung zu treffen.Wenn Sie es wünschen, wird man Ihnen in der Beratungsstelle auch Alternativen aufzeigen, die Ihre persönliche Situation und Ihr privates Umfeld berücksichtigen.

In einer unabhängigen Beratungsstelle wird man Sie nicht zu einer Entscheidung zwingen oder überreden wollen. Man wird auch nicht den moralischen Zeigefinger heben. Es ist die Aufgabe der hier arbeitenden Fachleute, Sie entsprechend Ihrer persönlichen Situation psychologisch zu beraten, Alternativen und Möglichkeiten zu benennen und über die einzelnen Schritte aufzuklären.

Die Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch ist eine individuelle Gewissensentscheidung jeder einzelnen Frau. Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung können Beratungsstellen und Fachärzte/-innen leisten. Diskriminieren und Bevormunden von Frauen in einer solchen Notlage bedeutet einen ausserordentlich tiefgreifenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, die Integrität und die Würde der Frau. Ob eine Frau eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen kann oder nicht, darf nicht vom subjektiven Ermessen eines unbeteiligten Dritten abhängig gemacht werden.

Wichtig ist zu wissen, dass es neben karitativer Unterstützung und staatlichen Leistungen für junge Mütter auch Hilfsangebote für Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch gibt, wie Selbsthilfegruppen oder psychologische Beratungsstellen.


Warnhinweis !
Bei unserer Recherche sind wir auf eine nicht unerhebliche Anzahl von sogenannten Informations- und Hilfsangeboten gestossen, bei denen es sich in Wirklichkeit um unqualifizierte, fachlich falsche und angstauslösende Meinungsmache von radikalen Abtreibungsgegnern handelt. Die Verfasser dieser Artikel sind selten erkennbar, ihr Hintergrund ist unklar, ihr Ausdrucksstil häufig von extremen Gesinnungen geprägt. Solche Auswüchse sind wenig hilfreich für Frauen, die in einer Konfliktsituation kompetente Hilfe und Beratung suchen.



Traurig und befreit zugleich
Marina Knopf, Elfi Mayer, Elsbeth Meyer
Familienplanungszentrum Hamburg
www.familienplanungszentrum.de
Rororo, 141 S., ISBN: 349919953X
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