Stillberaterin

Was sind ihre Aufgaben und wie arbeitet sie?

von Nanette Mittelstädt / Mitarbeit Silvia Skolik

Was ist denn eine Stillberaterin? So oder ähnlich klingt die Frage, die ich fast täglich zu hören bekomme. "Wozu braucht man denn die?!" "Stillen kann man oder eben auch nicht", ist die leider weit verbreitete Meinung. Also wozu dann eine Stillberaterin? Eben gerade weil es manchmal nicht so einfach ist. Viele junge Mütter und Babys stillen nach der Geburt als hätten sie nie etwas anderes getan, andere aber haben Schwierigkeiten. Durch die leider auch in Krankenhäusern noch häufig unzureichende Still-Beratung geben viele junge Mütter das Stillen zu früh auf oder lassen sich entmutigen. Es ist eine der Aufgaben einer Stillberaterin, diesen Müttern zu helfen und sie in ihrem Stillwunsch zu bestärken, denn jede Mutter UND jedes Baby hat das Recht UND die Möglichkeit auf eine glückliche und ausreichend lange Stillzeit!

Wie arbeitet eine Still- und Laktationsberaterin? Viele Stillschwierigkeiten können mit Verständnis, Unterstützung und fachlichem Rat leicht aus der Welt geräumt werden. Oft sind es so einfache Dinge wie die Stillpostion, die nicht ganz korrekt ist. Zuspruch und kompetente Anleitung haben dann rasch einen positiven Effekt. Nur in seltenen Fällen ist das Stillen überhaupt nicht möglich. Schwierige Lebensbedingungen und Stress, der oftmals von außen an die jungen Mütter herangetragen wird, z.B. in Form von unerbetenen Ratschlägen, kann einen guten Still-Start erheblich erschweren oder sogar vom Stillen abhalten. In einer solchen Situation kommt die Stillberaterin helfend zum Einsatz.

Die Stillberaterin ist aber nicht nur Hilfe in der ersten Not, sie begleitet - wenn gewünscht - weit darüber hinaus die Mutter und ihr Baby bis zum Ende der Stillzeit, die je nach Belieben von Mutter und Kind einige Monate oder auch mehrere Jahre dauern kann. Stillberaterinnen sind mit besonderen Situationen vertraut, wie z.B. dem Stillen von Frühgeborenen, Zwillingen (Mehrlingen), Stillen nach Kaiserschnitt oder bei Erkrankungen und Medikamentengabe, wunden Brustwarzen oder Brustentzündung, Geschwister-Stillen, natürlichem Abstillen und Beikost. Mit ihrer Arbeit sollte die Stillberaterin keinesfalls als Konkurrenz der Hebamme angesehen werden, sondern eher als eine kompetente Partnerin in der Betreuung und Begleitung von Mutter und Kind in dieser wichtigen Lebensphase. Eine gute Stillberatung ist zeitintensiv und kann zwei Stunden und länger andauern. Das ist eine lange Zeit, die die junge Mutter dankend annimmt und oftmals braucht. Diese Zeit kann eine Hebamme, die zur Wochenbett-Nachsorge kommt, sicher nicht immer aufbringen, hat sie doch oft mehrere Wöchnerinnen, junge Familien und Schwangere zu betreuen.

Es gibt in Deutschland die Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC, der La Leche Liga (LLL), der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen (AFS) und weitere unabhängige Stillberaterinnen. Meist sind es Mütter mit eigener und langer Stillerfahrung, denen es darum geht, andere Mütter zu unterstützen und so das Stillen selbstverständlich werden zu lassen und (wieder) zu verbreiten. Stillberaterinnen arbeiten ganz unterschiedlich: einige beraten ausschließlich am Telefon, andere machen Hausbesuche und sehr viele gründen örtliche Stillgruppen, wo sich die Mütter zum gegenseitigen Austausch treffen können. Gerade Mütter mit älteren Babys nutzen diese Angebote gern, da es leider noch nicht üblich und auch nicht grundsätzlich akzeptiert ist, Babys länger als 6 Monate zu stillen - geschweige denn länger als 1 Jahr. Umso schöner ist es dann, in Stillgruppen Gleichgesinnte zu treffen!

Wie erreicht man im Bedarfsfall eine Stillberaterin? Eine Still- und Laktationsberaterin erreichen Sie über die lokalen Gruppen der grossen Verbände, über Stillgruppen und Still-Cafés in Ihrer Nähe und gelegentlich über die geburtshilflichen Abteilungen der Kliniken. In manchen Kliniken arbeiten heute schon Stillberaterinnen auf der Wochenstation zur Unterstützung der jungen Mütter. In Kliniken, die als "Stillfreundliches Krankenhaus" ausgezeichnet sind, wird man Ihnen meist ohne Aufforderung eine Adressenliste in die Hand drücken oder eine Ansprechpartnerin benennen. Hebammen und Geburtshäuser verfügen ebenfalls über Kontakte und Adressen, die sie Ihnen bei Bedarf gerne vermitteln.

Stillberaterinnen arbeiten meist ehrenamtlich. Für die Organistation von und die Teilnahme an Stillgruppen und -Cafés wird in aller Regel ein Unkostenbeitrag erhoben.

Wie ist die Ausbildung zur Still- und Laktationsberaterin geregelt? Es gibt Frauen, die die Bezeichnung "Still-und Laktationsberaterin IBCLC" führen dürfen. Sie können als Fachfrauen des Stillens bezeichnet werden. Alle sind gründlich ausgebildet und legen zum Thema Stillen ein Examen ab. Das IBCLC-Examen ist eine international anerkannte Qualifikation zur Stillberatung. Die Ausbildung wird bereits seit zwanzig Jahren vom International Board of Lactation Consultant Examiners (IBLCE) weltweit geregelt und anerkannt. Die professionellen IBCLC's arbeiten gemäß einem Kodex der Ethik, sowie nach einem internationalen Praxisstandard für Still- und Laktationsberaterinnen. Informationen finden Sie beim Berufsverband der deutschen Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC unter http://www.bdl-stillen.de.

Das Ausbildunggszentrum für Laktation und Stillen bildet ebenfalls zur examinierten Still- und Laktationsberaterin IBCLC aus: www.stillen.de. Hier werden auch Lehrgänge zur Qualifikation als "Stillbeauftragte in Kliniken" angeboten.

In Österreich:
VSLÖ Verband der Still- und Laktationsberaterinnen Österreichs IBCLC
www.stillen.at

In der Schweiz:
BSS Berufsverband Schweizerischer Stillberaterinnen IBCLC
www.stillen.ch

Italien:
VSLS Verband der Still- und Laktationsberaterinnen Südtirols IBCLC
www.stillen.it

IBLCE International Board of Lactation Consultant Examiners
www.iblce.org

IBLCE in Europa
www.iblce-europe.org

Es besteht für Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC eine Re-Zertifizierungspflicht, d.h. der Titel IBCLC muss nach 5 Jahren durch Fortbildungen und nach 10 Jahren durch erneutes Ablegen des Examens bestätigt werden. Zulassungsvoraussetzungen sind eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem medizinisch-pflegerischen Beruf und 1800 Praxisstunden in der Stillberatung, dem sich ein erfolgreich abgeschlossenes Fortbildungsprogramm im Stillmanagment mit mindestens 200 Stunden anschliesst (z.B. VELB Seminarreihe - Basis- oder Grundlagen Seminar). - Für Ärztinnen (Doktorat der Medizin/Diplom als Ärztin) ermässigt sich die Praxisstundenzahl in der Stillberatung und das Fortbildungsprogramm im Stillmanagment (z.B. VELB Seminarreihe - Ärzteseminar). Weitere Infos dazu gibt es beim Verband Europäischer Laktationsberaterinnen www.velb.org.

Weniger kompliziert ist die Ausbildung bei der der La Leche Liga (LLL) und der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS). Auch hier gibt es bestimmte Vorraussetzungen, die zu erfüllen sind: eigene Stillerfahrung, mindestens 12 Monate, regelmässige Teilnahme an Stillgruppentreffen, Durcharbeiten von Fachliteratur und die Absolvierung von Kursen. Bei der La Leche Liga wird besonderer Wert darauf gelegt, dass die Bewerberin sich mit der verbandsinternen Philosophie identifizieren kann. Die Ausbildungsgänge bei den einzelnen Verbänden variieren also.

Die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) bietet generelle, aufbauende und ergänzende Kurse an, wie beispielsweise zur eigene Stillgeschichte, persönliche Beratung und Gesprächsführung, Telefonberatung, anatomische und medizinische Grundlagen (für Anfängerinnen), Saugen und Saugverwirrung, Stillpositionen, Stillhilfen, Erkenntnisse zum Thema Koliken, Beikost, Abstillen und Wege der Stillförderung durch die AFS. Die angehende Stillberaterin wird in einem schriftlichem Test auf ihr Wissen geprüft. Die AFS feiert in diesem Jahr ihr 15jähriges Bestehen. Weitere Infos: www.afs-stillen.de

Bei der La Leche Liga werden die Ausbildungsinhalte überwiegend durch Briefkontakte mit den Ausbilderinnen vermittelt, was je nach Zeitaufwand von Bewerberin und Ausbilderin ziemlich lange dauern kann. Von der Bewerberin wird erwartet, dass sie aktiv und hospitierend an Stillgruppen teilnimmt und sich mit der Pflichtliteratur auseinander setzt; dazu kommt das Üben von Fallbeispielen, Rollenspiele, die schriftliche Auseinandersetzung / Aufarbeitung mit der eigenen Schwangerschafts-, Geburts- und Stillerfahrung, die intensive Beschäftigung mit den Grundsätzen der LLL, das Erstellen einer umfassenden Facharbeit mit ca. 50 Fachfragen zur LLL-Stillberatung, die Teilnahme an Aus- und Fortbildungsseminaren, Fachtagungen u.v.m. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einem ausführlichen Prüfungsgespräch. Weitere Infos: www.lalecheliga.de.

LLL in Österreich: www.lalecheliga.at
LLL Schweiz: www.stillberatung.ch
LLL International: www.lalecheleague.org


Fachliteratur Stillen und Babyernährung:

  • Stillen und Stillberatung, Carina Kroth
  • Stillen und Stillprobleme, Utta Reich-Schottky
  • Ernährungsberatung in Schwangerschaft und Stillzeit, U. Körner, R. Rösch
  • Stillberatung und Stillförderung, Karin Muß
  • Stillberatung - Mutter und Kind professionell unterstützen, M. Biancuzzo
  • Handbuch für die Stillberatung, La Leche Liga
  • Ernährung und Diätik i.d. Pädiatrie & Jugendmedizin, U. Wachtel
  • Homöopathie-Ratgeber f. Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit, P. Naik
  • Die Mutter in der Stillzeit, Ravi Roy
  • Arzneiverordnungen in Schwangerschaft und Stillzeit, Chr. Schaefer
  • Stillen einst und heute, W. Siebert
  • Stillen. Frühkindliche Ernährung und reproduktive Gesundheit, V. Scherbaum



Stillen und Ernährung - Literatur für alle:

  • Das Stillbuch, Hannah Lothrop
  • Das Handbuch für die stillende Mutter, LaLecheLiga
  • Stillen einfach nur Stillen, LaLecheLiga
  • Stillen, M. Guoth-Gumberger
  • Wir stillen noch, N. J. Bumgarner
  • Vom Glück des Stillens, E. Herrmann
  • Stillen. Das Praxisbuch für die schönste Zeit mit ihrem Baby, S. Brandt
  • Geburt und Stillen, Michel Odent
  • Natürliche Nahrung für mein Baby, R. Moll
  • Das kleine Stillbuch, Vivian Weigert
  • Das besondere Stillbuch frühgeborene und kranke Babys, B. Benkert
  • Gespaltene Gefühle (Stillen bei LKG-Spalten), R. Masaracchia
  • Biologischer Ratgeber für Mutter und Kind, M.O. Bruker
  • Iß mein Kind - Vollwertkost vom Stillen bis zum Pausenbrot, I. Guthjahr
  • Gesunde Mutter - Gesundes Kind, E.-M. Schröder
  • Dein Baby ißt mit, S. Lewis
  • Milch-frei, A. Weygandt
  • Das Stillkochbuch, M. Cronjäger
  • Richtig essen in der Stillzeit, D.v. Cramm
  • Babyernährung, M. Stoppard
  • Allergiekost für Mutter und Kind, R. Moll
  • Stillen. Die Quelle mütterlicher Kraft, U. Henzinger
  • Säuglingsernährung, P. Kühne
  • Essen und Trinken im Säuglingsalter, Ingeborg Hanreich
  • Gestillte Sehnsucht - starke Kinder! Von Haptonomie, Geschwistern, Nähe und dem Mut natürlich zu stillen, Chr. Müller-Mettnau



Die Autorin: Nanette Mittelstädt ist praktizierende Still- und Laktationsberaterin IBCLC und Mutter von vier Kindern. Frau Mittelstädt lebt mit ihrer Familie in Mecklenburg-Vorpommern.

Weitere Links und Informationen:

Linkliste Verbände und Institutionen BRD-AU-CH:
www.geburtskanal.de/Links/Stillen.php

Stillgruppen Verzeichnis BRD / AU
www.stillgruppen.de

IBLCE International Board of Lactation Consultant Examiners
www.iblce.org

IBLCE European Section
www.iblce-europe.org

Stillen und Ernährung (Literatur-Liste)
www.geburtskanal.de/Literatur/Stillen_Ernaehrung.php

Stillen - für eine gesunde Entwicklung
- mit Links zu vielen weiteren Artikeln
www.geburtskanal.de/Wissen/Stillen/GesundeEntwicklung.php

Das ABC des Stillens
www.geburtskanal.de/Wissen/Stillen/ABC.pdf

Stillkinder - kompetente und ausführliche Informationen
www.stillkinder.de

Stilltipps der AFS Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen
www.afs-stillen.de/cms/cms/front_content.php?idcat=20

LLL Stilltreffen - Frauen unterstützen einander (Artikel)
www.geburtskanal.de/Wissen/Stillen/StilltreffenLLL.php

Stillfreundliches Krankenhaus - Eine Initiative von WHO und UNICEF
www.stillfreundlicheskrankenhaus.de

Mai 2006

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