Unerfüllter Kinderwunsch

Familienaufstellung als alternativer und ergänzender Ansatz

von Jörg Pantel 

In diesem Beitrag möchte ich Ihnen die Methode der "Familienaufstellungen" im Zusammenhang mit unerfülltem Kinderwunsch vorstellen und über einige Beobachtungen berichten, die ich auf meinen Seminaren machen konnte. Zunächst jedoch: Was hat es mit dieser Methode auf sich? 

Was in Familien krank macht und was heilt 

Unser Leben wird von Ereignissen und Systemen beeinflusst, die zum Teil sichtbar und bewusst, zum Teil aber auch im Verborgenen wirken. In der Schicksalsgemeinschaft einer Familie haben sich oft Verstrickungen gebildet, die mehrere Generationen zurück reichen können. 

Häufig liegt der Schlüssel zu einer Krankheit, einem Mangel oder einem bestimmten (Fehl-) Verhalten in der Familie eines Patienten. Eine Reihe ungeschriebener Familiengesetze und -ereignisse können die Lebenseinstellung, das Schicksal und die Gesundheit eines Menschen beeinflussen. Folgen solcher "familiäre Verstrickungen" können bspw. sein:

  • Chronische Erkrankung
  • "Erb" -krankheiten
  • Depressionen und psychische Krisen
  • Ängste und Phobien
  • Beziehungsprobleme
  • Süchte
  • Kriminalität
  • Unerfüllter Kinderwunsch

Dies sind die Erkenntnisse und Erfahrungen, die sich aus Familienaufstellungen (FA) ergeben haben. Was verbirgt sich hinter dieser Methode, wie funktioniert sie? 

Der Ablauf einer FA in einer Gruppe sieht in etwa folgendermaßen aus: Zunächst schildert mir der Klient seine Beschwerden und sein Anliegen. Anschließend beschreibt er seine Lebenssituation und besondere Vorkommnisse in der Familie in kurzen Worten. Von größter Wichtigkeit sind hierbei "Familiengeheimnisse" um solche Familienmitglieder, die verachtet oder verstoßen wurden, die verschollen oder früh gestorben oder abgetrieben wurden. 
Im Anschluss daran stellt der Klient seine Familie auf. Dazu wählt er aus den anwesenden Personen so genannte Stellvertreter für sich selbst und die anderen Familienmitglieder. Diese Personen stellt er nach seinem "inneren Bild" in ihrer Beziehung zueinander im Raum auf. 
Nach einer Zeit frage ich diese Stellvertreter nacheinander nach ihren Empfindungen, Impulsen und körperlichen Reaktionen, die sie an ihrem Platz verspüren. 
Das verblüffende und nicht leicht zu erklärende daran ist, dass in der Aufstellung die Stellvertreter Empfindungen und Gefühle, zum Teil sogar Schmerzen und Beschwerden entwickeln, wie sie die tatsächlichen Personen, also die, die sie nur vertreten, ebenso oder in ähnlicher Weise haben. Offenbar wirkt ein übernommenes "Muster" in uns, welches durch die Aufstellung sichtbar gemacht werden kann, und dann im Außen seine Wirkung zeigt. Aus diesem Bild und den Äußerungen der Stellvertreter ergeben sich Hinweise auf belastende Verstrickungen oder auf in der Aufstellung fehlende Personen. 

Im Wesentlichen sind folgende Phänomene zu beobachten:

  • Später -Geborene "vertreten" frühere Familienmitglieder, wenn diese verachtet, vergessen oder anderweitig aus dem Familiensystem ausgeschlossen worden waren. Unbewusst übernehmen sie deren Verhalten oder auch Schicksal, um auf diese Weise an die Ausgeschlossenen zu "erinnern".
  • Häufig übernehmen Kinder aus Liebe das schwere Schicksal oder die Krankheit ihrer Eltern, um ihnen das Leben zu erleichtern. Nach dem Motto "Lieber ich als Du".
  • Familienschicksale wiederholen sich. Unfälle, Süchte, kriminelle Handlungen oder früher Tod treten, oft im gleichen Alter, bei nachfolgenden Generationen auf.
  • Kriegsereignisse wirken auch noch auf die heutige Generation, dito Vertreibung und Verlust der ursprünglichen Heimat.
  • Adoptionen haben oft problematische Auswirkungen.

Meine Arbeit als Seminarleiter besteht nun darin, eine neue Ordnung in dem aufgestellten Bild herzustellen. Dazu werden u.a. weitere Stellvertreter für die ausgeschlossenen Personen hinzugenommen. Darüber hinaus nehme ich Umstellungen vor: Wenn bspw. eine Tochter neben dem Vater positioniert ist - wo eigentlich der Platz der Mutter wäre - dann ist dies kein "gemäßer" Platz. 
Häufig sind auch kleine Rituale und so genannte Lösungssätze notwendig, um einzelne Beziehungen zu klären. Der Prozess ist dann abgeschlossen, wenn sich eine Lösung, d.h. eine befreiende Aufstellung gefunden hat, in der die teilnehmenden Personen einen für sie guten Platz gefunden haben. 
Dann begibt sich der Klient an die Stelle, die bislang sein Stellvertreter für ihn eingenommen hatte, und verinnerlicht dieses Lösung - als sein neues "inneres Bild".
"Heilung" geschieht in dieser Vorgehensweise durch das sehr intensive Erleben - nicht durch Analysieren und rationales Verstehen. Das "alte" Muster, das in uns gewirkt hat, wird durch ein neues, befreiendes Muster ersetzt. 

Die beschriebene Methode eignet sich auch dafür, systemische Störungen in Vereinen, Firmen und anderen Organisationen aufzudecken und "in Ordnung" zu bringen. 


Kinderlosigkeit und Familienaufstellung 

Kinderlosigkeit hat seine Ursachen. Diese können auch außerhalb von rein physiologischen und somatischen Gründen wie Unfruchtbarkeit oder fehlender Empfängnis liegen, ja diese überhaupt erst bedingen. FA bringen unbewusste und oft unvermutete Zusammenhänge ans Licht. 

Ein oder beide Elternteile stellen dazu Stellvertreter für sich und das gewünschte Kind intuitiv in Beziehung zueinander in den Raum - dito evt. vorhandene frühere Kinder. Die Stellvertreter fühlen sich in ihre Rolle hinein und äußern ihre Gefühle und Empfindungen. In den vorliegenden Fällen zeigte sich, dass die Eltern oder auch nur ein Elternteil tief in ihrem Inneren gar nicht bereit für ein (weiteres) Kind gewesen sind. In einem Fall waren die Eltern völlig einander zugewandt und das gewünschte Kind war nicht in ihrem Blick. Der Stellvertreter für das Kind spürte, dass für ihn überhaupt kein Platz vorhanden war. In einem anderen Fall zeigte sich eine Blockade zwischen den Eltern, die durch ein zurück liegendes Ereignis ausgelöst worden war, für das sie sich gegenseitig die Schuld zuwiesen. 

In einem weiteren Fall konnte auf Grund der Aufstellung erkannt werden, dass das gewünschte Kind sich völlig vereinnahmt und erdrückt fühlte durch die übergroße Erwartung, die an es gestellt wurde. Der Stellvertreter verspürte das große Bedürfnis, sich aus dem Wirkungsfeld der Eltern heraus zu begeben. 
Durch die Arbeit mit der Aufstellung und das Erstellen eines Lösungsbildes ergab es sich in 2 Fällen, dass das gewünschte Kind einen Platz einnehmen konnte, an dem es sich zugehörig, geliebt und gewünscht fühlte. Der dritte Fall konnte nur bestätigen, was sich anfangs der Aufstellung auch gezeigt hatte: Die berufliche Ausrichtung hatte absoluten Vorrang und ein Kind war nicht wirklich gewünscht bzw. dem Partner zur Liebe gewünscht. 

In einem weiteren Fall hatte die Frau in der ersten Ehe eine Abtreibung vorgenommen, die sie nicht verarbeitet hatte. Sie hatte versucht, dieses Ereignis zu verdrängen, war aber emotional bei diesem Kind geblieben und nicht bereit für eine neue Schwangerschaft. Die Lösung für sie war, dem Abgetriebenen einen Platz zu geben und es zu erinnern. 

Hellinger (in "Ordnungen der Liebe") beschreibt einen Fall von Kinderlosigkeit nach einer Fehlgeburt in einer früheren Beziehung. Diesmal war die Lösung, dass sich die Mutter dem Kind zuwendet und es wiederholt mit den Worten anspricht: "Mein liebes Kind!". So einfach kann das sein !??! 

Es wirken Dinge hinter den Dingen. Familienaufstellungen zeigen das, was ist, es geht also um Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Und die sieht oft anders aus, als wir glauben. Es zeigen sich sowohl segensreiche als auch unheilvolle Verbindungen und Kräfte. Und wir haben durch dieses Verfahren die Möglichkeit, diese anzuschauen und zu sehen, wie diese Kräfte in uns und in unseren Familien wirken. Mit der Arbeit und dem Lösungsbild erhalten wir die Möglichkeit, uns den positiven und stärkenden Kräften anzuschließen. 

Was das behandelte Thema betrifft, schaffen wir durch diese Arbeit die Voraussetzung dafür, dass Befruchtung und Empfängnis stattfinden können oder sollten. Wenn die Seele bereit ist für ein Kind, dann wird es der Körper auch. 
Das Verfahren kann für alle Formen menschlichen Miteinanders angewendet werden. 


© 2003 by Jörg Pantel 


Der Autor: 
Jörg Pantel ist Heilpraktiker mit langjähriger Berufserfahrung Seit etwa 5 Jahren arbeit er auch mit Familienaufstellungen in Form von Seminaren. Sein Buch "Natürlich ganz gesund - Mit Naturheikunde durch den Alltag" (2002, ISBN: 3784331653) ist im Buchhandel erhältlich. 


Weitere Infos beim Autor: 
http://www.pantel.muenster.de

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